Interview

Digital Media Women: Dank OKR-Methode zum eigenen Ressort im Deutschen Frauenrat

Die OKR-Methode hilft dabei, im Team Ziele zu verfolgen und trotzdem agil zu bleiben | Unsplash, Ricardo Arce

Der gemeinnützige Verein #DMW ist schnell gewachsen – und lief Gefahr, dabei die eigentlichen Ziele aus den Augen zu verlieren. Geholfen hat schließlich die Einführung der Zielplanungsmethode OKR. Und zusätzlich zu überraschenden Erfolgen geführt.

Non-Profits haben bei der Umsetzung ihrer ambitionierten Ziele kein leichtes Spiel. Die Zielplanungsmethode "Objectives and Key Results" (OKR) hilft dabei, im Team stringent Ziele zu verfolgen und dabei trotzdem flexibel zu bleiben. Der Digital Media Women e.V. hat in den letzten Jahren einiges erreicht – auch dank der Arbeit mit OKRs. Maren Martschenko erzählt, warum sich der gemeinnützige Verein für die OKR-Methode entschieden hat.

Welches Ziel verfolgt der Digital Media Women e.V.?

Maren Martschenko: Unser Vereinszweck ist, dass Männer und Frauen gleichberechtigt in der digitalen Wirtschaft teilhaben. Begonnen hat alles damit, dass wir den Anteil von Frauen auf den Bühnen von Digital-Konferenzen auf 50 Prozent bringen wollten. Dabei haben wir gemerkt, dass die Gründe, warum wir noch nicht bei 50 Prozent sind, vielfältig sind.

Zum Beispiel werden oft nur Menschen in Führungspositionen für die Bühne gebucht. Wir müssen also eigentlich dafür sorgen, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Und wir müssen ein Verständnis bei den Medien dafür wecken, damit die nicht immer nur dieselben Personen für die Bühne buchen. So haben sich immer mehr Zweige aufgetan. Wenn man sich aber immer stärker verzweigt, schnell wächst und viele Sachen parallel startet, lässt die Wirkung nach.

Wie habt ihr sichergestellt, dass ihr die Wirkung im Blick behaltet?

Maren Martschenko: Zuerst haben wir uns die Wirkungslogik von PHINEO angeschaut. Als strategische Beraterin hat mir die Wirkungstreppe sehr zugesagt. Doch es hat sich herausgestellt, dass wir für unseren Verein an die 20 Wirkungstreppen bräuchten.

Schließlich haben wir uns dann zusammen mit einer Organisationsberaterin eher auf Selbstorganisation und neue Prozesse im Verein konzentriert. Als der Change-Prozess abgeschlossen war, kam der Gedanke auf, mit OKRs zu arbeiten. Auf einer Konferenz haben wir einen agilen Coach kennengelernt. Sie hat sich bereit erklärt, in ehrenamtlicher Tätigkeit OKRs in unserem Verein einzuführen.  

Warum habt ihr euch für die Arbeit mit OKRs entschieden?

Maren Martschenko: 1. Die ehrenamtliche Tätigkeit wird zwischen Familie, Hobby und Arbeit reingequetscht. Es haben nie alle gleichzeitig Zeit. Das heißt, es braucht ein hohes Maß an Eigenkoordination. Jeder muss wissen, was es gerade zu tun gibt – auch Neueinsteiger*innen. OKRs helfen dabei.

2. Außerdem kenne ich keine andere Zielplanungsmethode, die auch mit einer emotionalen Komponente arbeitet. Im ehrenamtlichen Bereich, wo Menschen mit einer hohen Motivation und freiwillig mitarbeiten, ist das essenziell. OKRs entstehen Bottom-up und nicht Top-down, was für eine Grassroots-Bewegung wie die unsere wichtig ist. Hier lässt sich niemand von oben was vordiktieren. Wir hatten uns im Vorstand vorher schon Ziele überlegt, aber die Mitarbeitenden waren nicht beteiligt. So haben sie sich auch schlechter damit identifiziert.

3. Ehrenamtliche Arbeit und Arbeit, um Wirkung in der Gesellschaft zu erzielen – das ist im Grunde ein hochagiler Prozess. OKRs erlauben es uns, nur drei Monate statt ein ganzes Jahr im Voraus zu planen. So bekommt man die Möglichkeit, vorerst nur die Grundlagen für das angestrebte Ziel zu schaffen und sich dann Schritt für Schritt vorwärts zu arbeiten. Wenn sich spontan eine Gelegenheit bietet, erkennt man diese besser und kann schnell darauf reagieren.

Gibt es etwas, das ihr ohne die Arbeit mit OKRs nicht geschafft hättet?

Maren Martschenko: Ja. Eines unser Objectives war, in der Politik mehr Relevanz zu bekommen. Als eines der zugehörigen Key Results hatten wir uns vorgenommen, Mitglied im Deutschen Frauenrat zu werden, um dort erstmals das Thema Digitalisierung und Frauen zu platzieren. Meine Vorstandskollegin ist Mitglied geworden, und weil alle so begeistert von ihr waren, wurde innerhalb eines Jahres ein eigenes Ressort geschaffen. Das ist ein großer Erfolg, denn der Deutsche Frauenrat ist die größte Lobbygruppe in Deutschland, wenn es um Gleichberechtigung von Frauen und Männern geht.

Das eigene Ressort hatten wir nicht als Ziel aufgeschrieben – es ist im Tun entstanden, weil wir agil genug waren, im richtigen Moment zu reagieren. Dieses Beispiel zeigt, warum eine agile Zielplanung so wichtig ist in einer Welt, in der sich Wirkung nicht immer vorausplanen lässt.

Ihr wollt wissen, wie der Digital Media Women e.V. die OKR-Methode eingeführt hat und wie ihr das auch tun könnt? In unserem kostenlosen Kurs "Agil zum Ziel – Die OKR-Methode für Non-Profits" begleiten wir dich bei den ersten wichtigen Schritten:

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