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Wieso spielen Vision und Mission oft nur eine untergeordnete Rolle im Alltag von Organisationen? Zeit, das zu ändern!

Ein Zukunftsbild muss spürbar sein 

Ein gutes Zukunftsbild ist mehr als ein Satz. Es beschreibt, welche Veränderung die Organisation in der Welt erreichen will. Damit das funktioniert, muss es greifbar genug sein, damit Menschen in und außerhalb der Organisation eine konkrete Vorstellung entwickeln können. 

Diese Fragen können euch dabei helfen:  

  • Was ist in zehn Jahren anders in der Welt, weil es unsere Organisation gibt?
  • Woran merken Menschen konkret, dass sich etwas verändert hat?  
  • Was ist bis dahin selbstverständlich geworden, das heute noch für wenige vorstellbar ist?  
  • Was hat sich im Leben der Zielgruppen spürbar verändert?  
  • Was fühlt sich für sie leichter, zugänglicher oder gerechter an? 

Viele Organisationen tun sich genau hier schwer. Statt eine wünschenswerte Zukunft zu beschreiben, erklären sie, was ihre Organisation im Hier und Jetzt gerade tut. 

Ein Zukunftsbild funktioniert aber anders. Es beschreibt Zustände, nicht Vorhaben. Es geht um gesellschaftliche Wirkung, nicht um interne Programme. Und es ist so konkret, dass ein Bild entsteht, mit dem Menschen arbeiten können. So entsteht eine greifbare Vorstellung davon, wie sich die Welt durch die eigene Arbeit verändert. 

Eine gelungene Vision für eine Bildungsorganisation, die geflüchtete Menschen in Berufe bringt, kann so klingen: 

Wir leben in einer Welt, in der alle Menschen die Arbeit machen können, die sie erfüllt, in der sie sich einbringen und von der sie gut leben können, unabhängig von Herkunft, Sprache, Religion oder sozialem Hintergrund. 

Gerade hier haben Non-Profit-Organisationen eine klare Stärke. Der Sinn ist oft schon spürbar und für viele Menschen ein wesentlicher Grund, sich in diesem Bereich zu engagieren. In der Ausrichtungsarbeit geht es darum, diesen Sinn noch greifbarer zu machen, damit Menschen im Alltag danach handeln können. 

Was LifeTeachUs gelingt 

Ein sehr gutes Beispiel dafür ist LifeTeachUs. Die gemeinnützige Organisation formuliert ihre Vision so: “Unsere Vision ist eine Bildung, die über Lehrpläne hinausgeht – hin zu Lebenswissen und echter Chancengerechtigkeit.” 

Die Mission lautet: “Unsere Mission ist es, Menschen aus allen Lebensbereichen als LifeTeacher in Schulen zu bringen, insbesondere dann, wenn Unterricht ausfällt.”

Diese Sätze sind die Grundlage, auf der alles andere aufbaut: Wenn man sich die Kommunikation der Organisation anschaut – auf Social Media, in Medienauftritten oder in der Darstellung der eigenen Arbeit – wird deutlich, dass sich diese Ausrichtung konsequent durchzieht

Es werden konkrete Geschichten erzählt. LifeTeacher werden sichtbar gemacht. Es wird gezeigt, wie Menschen ihr Wissen weitergeben und wie das den Schulalltag verändert. Auch die Personen, die bei LifeTeachUs arbeiten, treten mit einer klaren Haltung auf. 

So entsteht ein roter Faden, der die Vision erklärt und erlebbar macht. Und Menschen innerhalb und außerhalb der Organisation verstehen sehr gut, wofür LifeTeachUs steht. 

Die Verbindung zwischen Zukunft und Alltag 

Das, was LifeTeachUs sehr gut zeigt, ist also eine starke Verbindung zwischen Zukunftsbild und ihrem öffentlichen Auftreten.  

Damit aus einer gemeinsamen Richtung auch gemeinsames Handeln wird, braucht es eine Übersetzung in den Alltag. Genau hier kommt Strategie ins Spiel. 

Strategie bedeutet in diesem Zusammenhang, aus einem Zukunftsbild konkrete Entscheidungen abzuleiten. Wenn diese Übersetzung gelingt, wird die Vision ein fester Bestandteil des Organisationsalltags und Teammitglieder richten ihr Handeln stärker daran aus. 

Wie Ausrichtung wirksam wird 

Ob eine Ausrichtung im Alltag wirklich Orientierung gibt, zeigt sich in den täglichen Entscheidungen, Prioritäten und der Zusammenarbeit im Team. Die folgenden vier Ansatzpunkte skizzieren, wie sich diese Verbindung konkret umsetzen lässt. 

1. Nutzt eure Ausrichtung als Orientierungsrahmen 

Eine neue Förderausschreibung kommt rein. Der erste Impuls ist oft: das klingt nach einer guten Chance und wir brauchen das Geld. Das sollten wir machen. 

Fördermöglichkeiten können neue Wege eröffnen und damit Entwicklungen ermöglichen. Gleichzeitig hilft eine klare Ausrichtung dabei, auch in solchen Situationen die eigene Vision im Blick zu behalten. 

Denn wenn Organisationen viele unterschiedliche Anforderungen gleichzeitig umsetzen, kann es passieren, dass die gemeinsame Ausrichtung nach und nach in den Hintergrund rückt. Eine klare Orientierung unterstützt dabei, innezuhalten und zu prüfen: Passt diese Förderung zu unserer Vision? Unterstützt sie unsere Richtung? 

Dabei geht es nicht darum, starr zu werden oder Chancen vorschnell auszuschließen. Vielmehr geht es darum, bewusst zu entscheiden und Fördermöglichkeiten gezielt dort einzusetzen, wo sie die eigene Ausrichtung stärken. 

2. Setzt Prioritäten entlang eurer Vision 

Viele Projekte laufen über Jahre weiter, weil sie sich bewährt haben, Menschen sich mit ihnen identifizieren oder sie fester Bestandteil der Organisation geworden sind. Die Vision zu leben, bedeutet regelmäßig zu prüfen, welche Projekte, Prozesse, Teamdynamiken die Ausrichtung immer noch gut unterstützen

  • Bringt uns dieses Projekt wirklich (wirklich!) unserer Vision näher?
  • Unterstützt uns das Angebot, unsere strategischen Ziele zu erreichen?  
  • Hilft uns diese Teamdynamik, gemeinsam in eine Richtung zu laufen? 
  • Wo können Ressourcen noch wirkungsvoller eingesetzt werden?   

Wichtig ist dabei, nicht zu schnell zu streichen, sondern erst einmal Sinn, Wirkung und zukünftigen Beitrag zu prüfen. 

3. Verankert euer Zukunftsbild in der Zusammenarbeit 

Euer Zukunftsbild sollte sich in der täglichen Zusammenarbeit wiederfinden. Besonders in den Momenten, in denen Teams gemeinsam arbeiten und Entscheidungen treffen:  

  • Bei Projektstarts: Wie zahlt dieses Vorhaben auf unsere Richtung ein? 
  • In Teammeetings: Wo merken wir gerade, dass unsere Ausrichtung eine Rolle spielt? 
  • Im Recruiting: Was bedeutet unser Zukunftsbild für neue Mitarbeiter*innen? 
  • Im Onboarding: Wie finden Neuankömmlinge einen eigenen Zugang dazu? 

Genau in solchen Situationen prägt sich das gemeinsame Arbeiten: durch Routinen, Dynamiken und informelle Regeln. Wenn die Vision hier regelmäßig auftaucht, wird sie langfristig Teil der Teamkultur. 

4. Verbindet Aufgaben mit Wirkung 

Ausrichtung verbindet den Arbeitsalltag mit einem gemeinsamen Sinn. Das ist besonders in Non-Profit-Organisationen relevant, weil viele Mitarbeiter*innen intrinsisch motiviert sind. Gleichzeitig arbeiten viele Organisationen mit knappen Ressourcen. Gerade deshalb hilft eine gemeinsame Ausrichtung dabei, Energie zu bündeln und auch in herausfordernden Phasen in dieselbe Richtung zu laufen. 

Und genau hier ist gute Führung gefragt. Führungskräfte können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, indem sie die Verbindung zwischen Aufgaben und Wirkung immer wieder sichtbar machen. Wichtig ist dabei, authentisch und glaubwürdig zu sein. 

Fragen, die dabei helfen können: 

  • Warum ist unsere Arbeit für unsere Zielgruppe wichtig?  
  • Wo erleben wir, dass unsere Arbeit schon heute etwas verändert?  
  • Was motiviert uns gerade trotz Herausforderungen weiterzumachen
  • Wofür lohnt sich unser Einsatz langfristig

Wenn diese Verbindung gelingt, erleben viele Teammitglieder ihre Arbeit als sinnstiftender und sind motivierter.  

Wirkung entsteht im Alltag 

Keine Organisation braucht die perfekte Definition von Vision, Mission oder Purpose. Wichtiger ist, dass innerhalb der Organisation Klarheit darüber entsteht, wohin die gemeinsame Reise geht und was daraus für die tägliche Arbeit folgt. 

Damit Teams im Alltag wirkungsvoll arbeiten können, braucht es aber mehr als ein gutes Zukunftsbild. Die Richtung muss übersetzt werden: in strategische Ziele, Prioritäten und konkrete Entscheidungen. Erst dadurch wird aus Ausrichtung etwas, das im Alltag Orientierung geben kann. 

Die Ansätze aus diesem Artikel können dabei helfen, die eigene Vision stärker mit dem Alltag zu verbinden. Oft zeigt sich dabei aber auch, wie viel Abstimmung, Reflexion und gemeinsame Entwicklung nötig sind, damit aus einer Richtung tatsächlich gemeinsames Handeln entsteht. 

Gerade dabei kann Unterstützung von außen hilfreich sein: zum Beispiel, um Ziele zu schärfen, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln oder den eigenen Alltag stärker an der Vision auszurichten. 

Übrigens: Der SKala-CAMPUS begleitet Non-Profit-Organisationen bei genau solchen Fragen – von der Entwicklung einer gemeinsamen Richtung bis hin zur Umsetzung im Arbeitsalltag.