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Ein stabiler Finanzierungsmix ist die Grundlage dafür, ob eure Organisation langfristig Wirkungen und finanzielle Stabilität erzielt. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele Einnahmequellen zu haben, sondern sie strategisch so zu kombinieren, dass sie sich ergänzen.

Es lohnt sich genau auf die Vorteile jeder Finanzierungsquelle zu achten und darauf, dass diese Einnahmequellen beeinflussen, wie eure Organisation arbeitet. 

Was ist ein Finanzierungsmix? 

Ein Finanzierungsmix beschreibt die Zusammensetzung eurer Einnahmequellen und leitet sich aus eurer Finanzstrategie ab. Eine Strategie bedeutet, zuerst zu entscheiden, wo man finanziell stehen will (wieviel Geld brauchen wir, um unsere Vision zu finanzieren?) und dann die passenden Einnahmequellen aufzubauen (Woher kommt das Geld?). Euren Finanzierungsmix kannst du dir wie einen Kuchen vorstellen (lecker!).  

Jede Einnahmequelle ist dabei ein Stück dieses Kuchens, der das Gesamtbudget der Organisation abbildet. Manche Stücke sind größer, manche kleiner. Wichtig ist nicht nur, wie viele Stücke ihr habt. Wichtig ist, wie dieser Kuchen zusammengesetzt ist.  

In der Praxis lassen sich die meisten Finanzierungsquellen eures Mixes auf drei zentrale Säulen zurückführen:

  • Institutionelle Förderung zur Deckung der Gesamtausgaben wie zweckungebundene Spenden 
  • Projektförderungen zur Deckung von zeitgebundenen und inhaltlich abgegrenzten Vorhaben wie öffentliche Mittel, projektbezogene Stiftungsförderung und zweckgebundene Spenden 
  • Selbsterwirtschaftete Gewinne aus einem Zweckbetrieb oder steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb durch den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen

Es kommt auf den Mix an – und die Strategie dahinter 

Viele Non-Profits arbeiten bereits mit mehreren Einnahmequellen (83 Prozent laut ZIVIZ 2023): Fördermittel, Spenden, vielleicht ein Zweckbetrieb oder ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb. Im Durchschnitt nutzen Organisationen in Deutschland drei Einnahmequellen gleichzeitig. Das ist super! 

Aber: Mehr Einnahmequellen bedeuten nicht automatisch mehr Stabilität. Die Wahl der Einnahmequellen beeinflusst nämlich nicht nur die Finanzierung, sondern auch die Arbeitsweise eurer Organisation. 

Entscheidend ist, wie diese Einnahmen zusammengesetzt sind, und ob sie inhaltlich aufeinander abgestimmt sind. Ein Finanzierungsmix funktioniert nur dann, wenn die einzelnen Quellen zusammenpassen, unterschiedliche Funktionen erfüllen und sich gegenseitig ausgleichen. Ein strategischer Mix reduziert Abhängigkeiten und macht eure Organisation widerstandsfähiger

Entscheidend ist dabei nicht nur, wie viel Geld eine Quelle bringt, sondern auch, wie planbar sie ist, welche Anforderungen sie stellt und ob sie zu eurer Organisation passt.

Einnahmequellen gezielt kombinieren: Darauf müsst ihr achten

Ein guter Finanzierungsmix lebt davon, dass unterschiedliche Einnahmequellen verschiedene Funktionen übernehmen (siehe die drei Säulen oben). Wichtig ist, dass diese Einnahmequellen beeinflussen, wie eure Organisation arbeitet. Das bedeutet, dass wenn ihr euch für eine bestimmte Finanzierungsquelle entscheidet, ihr gezielt intern Ressourcen und Wissen aufbaut, um mit dieser Quelle umgehen zu können.  

Viele Fördermittel zum Beispiel bedeuten mehr administrative Tätigkeiten, eigene Einnahmen brauchen Unternehmertum usw.  Jede Quelle bietet dabei unterschiedliche Möglichkeiten – und Herausforderungen, die ihr abwägen solltet: 

  • Öffentliche Fördermittel bieten eine relativ hohe Planungssicherheit für Projekte, sind aber stark an Vorgaben gebunden und erfordern vor allem einen hohen administrativen Aufwand. 
  • Stiftungen können wichtige Partner sein, insbesondere für innovative Projekte, werden jedoch oft kompetitiv vergeben und sind zudem stark von Beziehungsarbeit und Zugang geprägt.  
  • Eigene Einnahmen aus dem Zweckbetrieb oder steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb schaffen Unabhängigkeit, setzen aber tragfähige Geschäftsmodelle und entsprechende Kompetenzen voraus. 
  • Spenden sind besonders flexibel einsetzbar, insbesondere wenn sie zweckungebunden sind. Gleichzeitig erfordern sie kontinuierliche Beziehungsarbeit und können gesellschaftlichen Schwankungen unterliegen.
  • Mitgliedsbeiträge bieten eine finanzielle Basis, sind aber aufwendig zu skalieren.

Schauen wir uns diese Quellen im Detail an – um für Eure Organisation genau den richtigen Mix zu finden. 

Öffentliche Mittel im Finanzierungsmix  

Öffentliche Mittel von EU, Bund, Ländern oder Kommunen sind für viele Organisationen (38%Prozent, laut ZIVIZ 2023) eine zentrale Einnahmequelle. Bei den größeren Organisationen mit über 100.000 € Jahresvolumen beziehen knapp 70 Prozent öffentliche Fördergelder. Dadurch werden häufig konkrete Projekte finanziert, was für einen klar definierten Zeitraum Planungssicherheit bietet. 

Gleichzeitig sind öffentliche Mittel stark zweckgebunden. Das bedeutet: Ihr könnt sie nur für genau definierte Vorhaben einsetzen (Projekt). Für strukturelle Kosten oder langfristige Entwicklung bleiben oft Lücken. Laufen projektgebundene Förderung aus, fallen zudem das Projekt als auch ggf. Personalstellen weg. Diese Lücken müssen frühzeitig identifiziert und gegengesteuert werden. 

Hinzu kommt der administrative Aufwand. Anträge, Berichte und Nachweise binden Ressourcen, die an anderer Stelle fehlen. Dies stellt für einige Organisationen eine strukturelle Hürde dar.  

Wenn ein großer Teil eurer Finanzierung aus projektgebundenen öffentlichen Mitteln besteht, entsteht schnell eine kurzfristige Finanzierungslogik, die sich von eurer strategischen Ausrichtung entfernen kann: Ihr plant von Projekt zu Projekt statt strategisch über mehrere Jahre. Die Organisation richtet sich dann nach Förderlogiken und nicht umgekehrt. 

Insgesamt sind öffentliche Mittel für euch also besonders sinnvoll, wenn ihr klare, abgrenzbare Projekte und administrative Kapazitäten habt. Dann stellen sie eine solide Säule in eurem Finanzierungsmix dar.

Stiftungen als Partner:innen 

Stiftungen sind wichtige Partner:innen, insbesondere, wenn es um innovative Projekte oder neue Ansätze geht. Sie können Anschubfinanzierungen ermöglichen oder neue Themenfelder eröffnen. 

Allerdings funktionieren Stiftungen sehr unterschiedlich. Einige arbeiten mit offenen Ausschreibungen und klaren Kriterien. Andere, wie zum Beispiel Familienstiftungen, vergeben Mittel ohne öffentliche Verfahren. Hier ist der Zugang oft stärker von Netzwerken und Beziehungen abhängig

Das bedeutet: Fundraising im Stiftungsbereich ist kein Selbstläufer. Es braucht Zeit, gezielte Ansprache und kontinuierliche Beziehungspflege sowie klar definierte Verantwortlichkeiten im Team. Der Vorteil: Stiftungen können mehr Flexibilität als öffentliche Fördermittel bieten und zudem institutionelle Förderung ermöglichen. 

Damit stellen die Stiftungsmittel eine wichtige Ergänzung im Finanzierungsmix dar.   

Zweckbetrieb: Einnahmen im Rahmen des Satzungszwecks  

Zweckbetriebe ermöglichen es Organisationen, Einnahmen zu generieren und gleichzeitig den eigenen gemeinnützigen Zweck zu erfüllen. Sie sind damit zentraler Bestandteil vieler Finanzierungsmixe, weil sie Wirkung und Finanzierung direkt miteinander verbinden.  

Ein Beispiel: Ein Sportverein bietet regelmäßig Kurse wie Yoga oder Kinderturnen an und erhebt Teilnahmegebühren. Diese Einnahmen entstehen direkt aus der Umsetzung des gemeinnützigen Zwecks und gelten daher als Zweckbetrieb.  

Typische Vorteile: 

  • Einnahmen sind steuerbegünstigt 
  • geringere Abhängigkeit von externen Geldgebern 
  • Angebote können langfristig aufgebaut und verstetigt werden

Zweckbetriebe schaffen damit eine besondere Form der Finanzierung: Sie entstehen aus der eigenen Tätigkeit heraus und können bei stabiler Nachfrage zu mehr Kontinuität in der Finanzierung führen.  

Gleichzeitig gelten klare rechtliche Anforderungen. Nicht jede Einnahme im gemeinnützigen Kontext ist automatisch ein Zweckbetrieb. Eine saubere Abgrenzung in den vier Sphären der Gemeinnützigkeit ist notwendig, um Risiken zu vermeiden.

Wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb: mehr Unabhängigkeit 

Der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb bietet eine weitere Möglichkeit, Einnahmen zu generieren. Dies kann bspw. durch den Verkauf von Merch, der Vermietung von Räumen oder dem Betreiben eines Kiosks geschehen. Die Einnahmen können satzungsgemäß verwendet werden oder als Rücklagen genutzt werden. Das schafft zusätzliche finanzielle Spielräume und stärkt die Unabhängigkeit von externen Geldgebenden.  

Wichtig ist, dass Gewinne erlaubt und aus strategischer Perspektive auch notwendig sind, diese jedoch der Steuerpflicht unterliegen.  

Im Gegensatz zum Zweckbetrieb ist der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb nicht unmittelbar an den gemeinnützigen Zweck gebunden, unterliegt aber klaren steuerlichen und rechtlichen Anforderungen, insbesondere der sauberen Trennung der sogenannten 4 Sphären.  

Ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb kann ein wichtiger Baustein im Finanzierungsmix sein, insbesondere dann, wenn es darum geht, flexibel einsetzbare Mittel zu schaffen.

Spenden: Flexible Mittel für eure Organisation 

Spenden sind für viele Organisationen eine wichtige Einnahmequelle. Sie haben einen großen Vorteil: Sie sind, wenn zweckungebunden, in der Regel frei einsetzbar. 

Das macht sie besonders wertvoll für strukturelle Kosten, Weiterentwicklung und kurzfristige Bedarfe. Gleichzeitig sind Spenden schwer planbar. Sie hängen stark von Vertrauen, Sichtbarkeit und gesellschaftlichen Entwicklungen ab und unterliegen somit Schwankungen. 

Erfolgreiches Fundraising erfordert kontinuierliche Arbeit mit den Spender:innen. Dazu zählen Beziehungspflege, Kommunikation und der Vertrauensaufbau. 

Mitgliedsbeiträge: stabil und verbindend 

Mitgliedsbeiträge spielen vor allem in Vereinen eine wichtige Rolle. Sie bieten zum einen regelmäßige und planbare Einnahmen, eine starke Bindung zur Organisation sowie eine Legitimation nach außen.  

Durch ihre Wirkung und Verlässlichkeit tragen sie zur Stabilität eines Finanzierungsmixes bei und können eine starke finanzielle Basis darstellen. Herausfordernd ist häufig die Skalierung dieser Einnahmequelle, da sie ausgeprägte Vertrauensarbeit mit Mitgliedern fordert. 

Wie ein guter Finanzierungsmix aussehen kann 

Ein idealer Finanzierungsmix sieht nicht für jede Organisation gleich aus. Er hängt ab von Größe, Rechtsform und Tätigkeitsfeld. Trotzdem gibt es einige Grundprinzipien

Ein ausgewogener Mix bildet in der Regel alle oben genannten drei zentralen Säulen ab: institutionelle Förderung, projektbezogene Mittel und selbsterwirtschaftete Einnahmen. 

Dabei sollten die verschiedenen Einnahmequellen ausgewogen eingesetzt werden. Besonders wichtig ist daher die Balance zwischen zweckgebundenen Mitteln und frei verfügbaren Mitteln, um strukturelle Kosten zu decken. Teil dessen ist ebenso der Aufbau von Rücklagen. Diese ermöglichen: 

  • Übergänge zwischen Förderperioden 
  • Reaktion auf Krisen 
  • Investitionen in neue Projekte oder Strukturen 

Ohne Rücklagen wird jede Unsicherheit zum Risiko. Rücklagen sind das Polster, was aus einem guten Finanzierungsmix entsteht und langfristig mehr Sicherheit bietet.

Fazit: Der Finanzierungsmix entscheidet über Stabilität 

Ein tragfähiger Finanzierungsmix ist die Grundlage für langfristige Wirkung eurer Organisation. Er reduziert Abhängigkeiten, schafft Handlungsspielräume und macht Organisationen widerstandsfähiger gegenüber Krisen. Er ist das Resultat bewusster Entscheidungen darüber, welche Einnahmequellen zu eurer Organisation, eurer Strategie und euren Zielen passen. 

Dabei geht es nicht darum, die meisten Quellen zu erschließen, sondern die richtigen zu kombinieren, sodass sie unterschiedliche Funktionen erfüllen und sich gegenseitig ergänzen. Organisationen, die ihre Finanzierung aktiv gestalten, sind langfristig stabiler und können flexibel auf Veränderungen reagieren. Ein guter Finanzierungsmix ist deshalb ein zentraler Baustein für die Zukunftsfähigkeit eurer Organisation. 

Mit unserem Finanzierungskompass kannst du hier direkt den Selbstcheck machen und dir einen Termin bei der SKala-Campus Beratung buchen, um deinen Finanzierungsmix zu diversifizieren.