Praxistipp

Kollektiv verzettelt: Habt ihr eure Ziele noch im Blick?

Je größer eine Organisation wird, desto mehr beschäftigt sie sich mit sich selbst. | Foto: Mpho Mojapelo, Unsplash

Der Organisationsalltag steckt voller Prozesse, Abstimmungsschleifen und internem Gedöns? Unser Fragenkatalog hilft euch, das Ausmaß zu erkennen.

Ihr habt das Gefühl, euch mehr mit euch selbst zu beschäftigen als mit anderen Dingen?  Eure Antworten auf die folgenden Fragen helfen euch festzustellen, ob und inwiefern ihr Ziele und Zielgruppen aus dem Blick verloren habt. 

  • Wie viel Zeit habt ihr in den letzten vier bzw. acht Wochen in verbesserte Büroabläufe, Administration, gegenseitiges Reporting, Abstimmungsmeetings, in Chatverläufe und CC-Arien gesteckt, wer wann was wie entscheiden darf oder wie es irgendwie besser ginge?
  • Wie viel Zeit sind demgegenüber direkt in die Entwicklung neuer Angebote, in die Weiterentwicklung bestehender Angebote, in die Arbeit mit den Zielgruppen, in die Wirkungsanalyse oder in Lernrunden geflossen?
  • Beschäftigt ihr euch vor allem damit, bestehende Angebote von 90% auf 95% zu bringen anstatt damit, wie ihr gänzlich neue Angebote für eure Zielgruppen erstellen könnt? 
  • Um was geht es bei euch vor allem: um ein besonders harmonisches Betriebsklima ­– oder stehen wirklich Ziele, Zielgruppen und Angebote im Mittelpunkt? (Seid ihr euch intern einig, dass unterschiedliche Blickwinkel, Diversität und kontroverse Debatten wertvoll für eure Organisationsentwicklung sind?) 
  • Wie innovativ seid ihr? Wie viele Ideen habt ihr in den letzten zwei bis drei Monaten entwickelt, wie viele Ideen sind in den letzten zwölf Monaten zur Marktreife geronnen? Wie viel Zeit gebt ihr euch, um neue Angebote zu entwickeln?
  • Umgekehrt: Wie viele Alternativangebote schleppt ihr mit euch rum, die eigentlich abgeschafft gehören, weil sie kaum nachgefragt, zu teuer, zu lame etc. sind, wozu ihr euch aber bisher noch nicht durchringen konntet?
  • Angenommen, ihr seid euch vor allem mit internen Prozessen zugange: Liegt das an der Vorgabe der Leitung, Prozesse unentwegt zu optimieren? Oder an der überbordenden Prozessoptimierungslust der Mitarbeiter*innen?
    Oder liegt es daran, dass die Strukturen in eurer Organisation von der Pike auf so angelegt sind, dass Ziele und Zielgruppen eigentlich immer nur dann im Fokus stehen, wenn ihr sie ganz bewusst dorthin rückt
  • Wie stellt ihr sicher, dass wirklich die Bedarfe der Zielgruppen und die Ziele des Projekts im Fokus stehen – und nicht eure eigenen Wünsche oder die womöglich zielgruppenfernen Vorstellungen eurer Förder*innen? 
  • Wie werden Entscheidungen bei euch getroffen? Und sind alle Entscheidungen gleichermaßen viel wert und von Dauer?
  • Unterscheidet ihr zwischen Entscheidungen, die mit Bedacht getroffen werden sollten, weil sie erhebliche Auswirkungen haben und solchen, die schnell getroffen werden können, weil die Konsequenzen überschaubar sind?
    Existieren für diese unterschiedlichen Arten von Entscheidungen unterschiedliche Entscheidungswege oder werden alle irgendwie auf demselben Weg getroffen (und sind damit over engineered)? 
  • Wie viel Zeit investiert ihr in Wirkungsanalysen, in Lernrunden und den gemeinsamen Austausch? Und ist das institutionalisiert, gibt es Zuständigkeiten?
  • Nutzt ihr Lernrunden vor allem mit der Klärung der Frage, wer das jetzt wieder vergeigt hat – oder sammelt ihr die Lernerfahrungen, um diese in zukunftsorientierte Strategien oder Angebote für übermorgen zu gießen? 

Eure Antworten liefern erste Hinweise, ob und wie sehr ihr euch in Organisationsinternem verloren habt. Ob dem dann wirklich so ist, und ab wann die Beschäftigung mit einem Sachverhalt zu viel des Guten ist, könnt ihr nur gemeinsam herausfinden. 

Im Sinne der Zielerreichung und Organisationsentwicklung ist es natürlich wichtig, dass der Laden läuft und ihr euch in einem gewissen Maß mit internen Abläufen beschäftigt. Ebenso wichtig ist es aber auch, dass ihr euch hinreichend viel Zeit für Angebote und Zielgruppen nehmt.

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