Praxistipp

Wie ihr bei Aktion Mensch einen Förderantrag stellt: "Das Geld ist da!"

Aktion Mensch rät für den Förderantrag: "Schreibt den Antrag immer aus Sicht der Zielgruppe" | Unsplash, Diego PH

Worauf achtet Aktion Mensch bei Förderanträgen ganz besonders? Wie bewerbt ihr euch erfolgreich? Was sind typische Fehler und wie sollte das Reporting aussehen? Wir haben direkt nachgefragt.

Wer schon immer mal direkt von Mitarbeiter*innen hören wollte, wie der perfekte Förderantrag aussieht, sollte jetzt weiterlesen: Nelli Riediger und Christine Sommer, beide im Fördermarketing bei Aktion Mensch tätig, haben uns genau das verraten – und noch mehr. Wir haben es für euch zusammengefasst.

Welche Projekte fördert Aktion Mensch?

Gefördert werden Projektideen mit Fokus auf Inklusion. Zielgruppe sind Menschen mit Behinderung, Menschen mit sozialen Schwierigkeiten sowie Kinder und Jugendliche.

Beispiel für eine große Projektförderung: Eine Bar stellt Menschen mit Behinderung an, um sie auf dem ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Während der ersten fünf Jahre erhält die Bar von der Aktion Mensch einen Zuschuss in Höhe von 350.000 Euro, um die nötige Struktur, inklusive Personalstellen und Fortbildungsmöglichkeiten aufzubauen.

Beispiel für eine Mikroförderung: Ein Verein benötigt einen Türöffner, eine Rampe oder eine barrierefreie Website und erhält von der Aktion Mensch einen Zuschuss in Höhe von 5.000 Euro. In diesem Fall sind keine Eigenmittel nötig.

Aktuelle Förderprogramme im Überblick

Derzeit gibt es 64 Förderprogramme. Hinzu kommen befristete Aktionen wie eine Fluthilfe, Corona-Soforthilfen oder aktuell eine Sonderförderung Ukraine. Die Förderprogramme sind in fünf Lebensbereiche unterteilt: Bildung, Freizeit, Wohnen, Arbeit und Mobilität sowie Barrierefreiheit.  Ein Förderfinder mit Filterfunktion – gefiltert nach Geldsumme, Zielgruppe, Förderzeitraum etc. – unterstützt bei der Suche nach dem passenden Förderprogramm.

Wie sieht die Sonderförderung Ukraine aus?

Das Förderprogramm richtet sich an Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderung, die aus der Ukraine nach Deutschland fliehen mussten. Gerade sie brauchen gezielte und besondere Hilfe beim Aufbau von Strukturen – zum Beispiel durch psychologische Beratung, Starthilfe, Freizeitprogramme und Sprachförderung. Fördersumme: 100.000 Euro mit einem Eigenmittelanteil von fünf Prozent.

Was zählt bei Aktion Mensch als Eigenmittel?

Als Eigenmittel stuft Aktion Mensch bare Mittel wie Spenden und Teilnahmegebühren ein. Personalkosten zählen nicht dazu. Auch öffentliche Mittel gelten nicht als Eigenmittel – diese werden an anderer Stelle mit eingerechnet. Wichtig: Die öffentliche Hand sollte immer zuerst fördern. Dementsprechend reduziert sich im Anschluss die Fördersumme von Aktion Mensch.

Worauf wird im Förderantrag zuerst geschaut?

  • Auf die Kurzbeschreibung: Die sollte kompakt alles beinhalten, was diesen Antrag so reizvoll macht. Auch das Kuratorium schaut sich als erstes die Kurzbeschreibung an. Ist sie nicht schlüssig, tauchen Fragen auf. Gewünscht sind keine pädagogischen Aufsätze, sondern klare Formulierungen, die jeder versteht.
  • Auf den Kosten- und Finanzierungsplan: Der muss zusammenpassen und ein stimmiges Bild abgeben. Wenn sich im Nachhinein Zeitpläne verschieben oder Personalpläne ändern ist das nach Aussage von Aktion Mensch kein Problem: "Das betrachten wir nicht als Hemmnis, wir können es im Projektverlauf gemeinsam angehen." 

Ist es erwünscht, vor der Antragstellung mit Aktion Mensch in Kontakt zu treten?

Ja. Es gibt eine Förderhotline (Telefonnummer: 0228-2092-5555) und eine E-Mail-Adresse (Kontakt: foerderung@aktion-mensch.de) für Rückfragen. Ausnahme: Wenn eure Organisation einem Verband wie zum Beispiel der Caritas angehört, solltet ihr euch für eine Erstberatung zuerst dorthin wenden. Gehört ihr einem Verband an, landet euer Antrag zuerst beim Landesverband, dann beim Bundesverband und kommt zuletzt bei der Aktion Mensch an.

Heißt das, dass man Vorteile hat, wenn man einem Verband angehört?

Nach Aussage von Aktion Mensch nicht. Wenn man einem Verband angehört, gibt es ein Sechs-Augen-Prinzip. Andernfalls landet der Antrag direkt bei Aktion Mensch. Der Weg über den Verband kann eventuell etwas länger dauern. Beides hat also Vor- und Nachteile.

Wie lange dauert es, bis eine Antwort kommt?

Das hängt davon ab, ob man einem Verband angehört oder nicht. Aktion Mensch gibt aber meistens eine Vorlaufzeit zwischen drei und sechs Monaten an. Bei der Ukrainehilfe geht es schneller, weil die Anträge vorgezogen werden.

Was sind die 3 häufigsten Fehler in Anträgen?

  • Wenn die Zielgruppe Senior*innen (ohne den Inklusionsansatz) angesprochen werden
  • Wenn Vorhaben im schulischen Bereich geplant sind
  • Wenn originäre Aufgaben des Vereins gefördert werden sollen

Fördert Aktion Mensch Personalkosten?

Personalkosten werden nur dann gefördert, wenn sie über den Projektzeitraum abgerechnet werden. Zum Beispiel, wenn für das geförderte Projekt eine Verwaltungskraft benötigt wird. Dann wird gemeinsam entschieden, für wie viele Wochenstunden die Person in der Organisation angestellt und für wie viele Stunden sie im geförderten Projekt arbeiten soll. Geschäftsführer*innen und Vorstände hingegen dürfen mit maximal fünf Stunden pro Woche abgerechnet werden.

Kann man sich auf mehrere Programme gleichzeitig bewerben?

Ja. Wenn eine Organisation mehrere Anträge stellt, wird das im System angezeigt. Es kann dann allerdings zu Rückfragen kommen. Grundsätzlich ist eine mehrfache Bewerbung aber möglich.

Muss ein Projekt immer neu sein?

Ja. Das Projekt darf erst starten, wenn der Antrag ausgefüllt und hochgeladen ist. Dann natürlich auf eigene Gefahr – der Antrag kann immer noch abgelehnt werden. Eine Ausnahme bildet der Bereich Arbeit: Für den Start eines Integrationsprojekts für Menschen mit Behinderung braucht es die offizielle Bewilligung.


Wir haben das Geld und suchen euch. Wir haben letztes Jahr 220 Millionen Euro für soziale Projekte ausgegeben.

3 Fragen an Nelli Riediger & Christine Sommer

  • Wie sieht für euch eine gut funktionierende Vertrauensbeziehung aus?
    "Ab der Bewilligung des Antrags gibt es für die Beratung feste Ansprechpartner*innen. Wir stehen ständig mit unseren Förderpartner*innen in Kontakt. Absolute Voraussetzung ist Offenheit: Wenn was schiefläuft, müssen wir das frühzeitig erfahren. Dann gibt es keine bösen Überraschungen bei der Abschlussrechnung."
  • Was macht für euch ein gutes Reporting aus?
    "Bei großen Förderungen bekommen wir jedes Mal einen Abschlag, zum Beispiel zuerst 30 Prozent, dann 25 Prozent. Dafür brauchen wir Nachweise, die online eingestellt werden. Zusätzlich benötigen wir Zwischenberichte. Dadurch, dass wir während der Projektlaufzeit ständig miteinander in Kontakt sind, braucht vor dem Abschlussbericht keiner Angst haben.

    Das Reporting läuft über ein digitales Formular. Man muss sich beim ersten Mal ein bisschen reinfuchsen, danach ist es gut händelbar. Wir bieten monatlich Schulungen dafür an – zusätzlich ist die Hotline für das Antragssystem immer von unserem Mitarbeiter Michael besetzt." (Telefonnummer: 0228-2092-5555)

Schreibt den Antrag immer aus Sicht der Zielgruppe
  • Welche Tipps für den Förderantrag gebt ihr Non-Profits mit auf den Weg?
    "Erstens: Nur Mut, macht es auf jeden Fall! Wir haben das Geld und suchen euch. Wir haben letztes Jahr 220 Millionen für soziale Projekte ausgegeben. Zweitens: Nehmt bei Unsicherheit Kontakt zu uns auf. Und drittens: Schreibt den Antrag immer aus Sicht der Zielgruppe."

Hier klicken: Weitere Fragen haben die beiden in der SKala-CAMPUS-Community beantwortet.

Über Aktion Mensch

Aktion Mensch wurde 1964 auf Initiative des ZDF gegründet und finanziert sich durch Lotterieeinnahmen. Das Sozialunternehmen ist über seine Mitgliedsverbände wie Caritas, Diakonisches Werk, Deutsches Rotes Kreuz, AWO etc. als Verein strukturiert. Aktion Mensch fördert inklusive Projekte freier gemeinnütziger Träger.

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