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Förder*innen befinden sich in einer angenehmen Situation. Sie haben etwas, das andere wollen – Gelder, Kontakte, womöglich auch Infrastruktur. Wir geben Tipps, wie man all das sinnvoll einsetzt.

Allein deutsche Stiftungen haben im letzten Jahr stolze 17 Milliarden Euro für satzungsgemäße Zwecke und zum Gemeinwohl ausgegeben; nicht monetäre Leistungen noch gar nicht einberechnet. Und auch nicht die Zuwendungen von Unternehmen, Philathrop*innen oder der öffentlichen Hand, die insgesamt einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag ausmachen dürften. 

So beeindruckend die Summe ist, sagt sie jedoch nichts über den Charakter der Förderung aus, über ihren Erfolg oder über ihre Wirkung. Denn viel investieren heißt nicht automatisch auch „gut fördern“. Wenig überraschend ist „Fördern“ mehr als die bloße Summe der Zuwendungen.

Vielmehr ist Fördern ein Prozess, während dem die Förderin und die geförderte Organisation gemeinsam daran arbeiten, Zielgruppen so gut wie möglich zu helfen und dadurch einen gesellschaftlichen Mehrwert zu kreieren. Idealerweise in ebenbürtiger Partnerschaft.

Gemeinnützige Organisationen sind dabei längst keine Bittsteller*innen mehr, sondern respektable Partner*innen, die das nötige professionelle Know-how mitbringen, um die Zuwendungen und Investments in gesellschaftliche Wirkung umzumünzen. Parallel wertet dieses neue Verständnis auch die Rolle der Förder*innen auf: Diese sind nun nicht mehr nur passive, großmütige Finanziers, sondern aktive Gestalter*innen gesellschaftlichen Wandels.

Das setzt jedoch voraus, dass die Stiftung, das Unternehmen, die Stabsstelle, die Philanthropin etc. entsprechend strategisch agiert. Welche Aspekte eine gute Förderarbeit begünstigen und an welchen Stellschrauben gedreht werden kann, um mit minimalem Einsatz maximale Erfolge zu erzielen, davon wird im Folgenden die Rede sein.

Chancengleichheit darf nicht spendenabhängig sein. – Edgardis Garlin, Zentrum für kindliche Mehrsprachigkeit e.V.

Ganz am Anfang: Bedarf ermitteln, Schwerpunkt setzen

Philanthropische Lust, stifterische Freiheit und individueller Gestaltungswillen sind unbestritten hohe Güter. Eine Förder*in sollte aber auch die realen gesellschaftliche Bedarfe in den Blick nehmen.

„Real“ meint, dass der Bedarf einer Zielgruppe ebenso systematisch wie regelmäßig überprüft wird:

  • Welche Bedarfe hat die Zielgruppe
  • Haben sich Bedarfe geändert? Sind Anpassungen nötig?
  • Existieren womöglich inzwischen weitere Akteure, die sich mit diesem Bedarf auseinandersetzen? 
  • Ergänzen sich Angebot und Nachfrage noch? 

Neben der starken Bedarfsorientierung hilft es, sich auf bestimmte Themen zu fokussieren, auf dem sich die Förderin bewegen will. Zwar ist dieses Themenfeld meist eingegrenzt durch einen Stiftungszweck o.Ä., naturgemäß fällt es aber dennoch meist so groß aus, dass Fokussierung wichtig ist.

Eine Stiftung etwa, die sich dem Klimaschutz verschrieben hat, kann sich global, regional oder lokal engagieren, sie kann Projekte fördern, die sich an benachteiligte Familien wenden, an Schulen oder die öffentliche Verwaltung; sie kann Präventionsprojekte unterstützen, Energiesparkampagnen starten oder politische Lobbyarbeit betreiben. – Hier tut Begrenzung not. – In welcher Nische gibt es den größten Bedarf, wer genau sind die Zielgruppen und was exakt soll bei diesen erreicht werden?

Wir besetzen ein Nischenthema. Es ist irre schwer, hierfür eine institutionelle Förderung zu bekommen. – Thomas Müller-Schöll, Schützer der Erde e.V.


Merksatz: Es ist ergiebiger und effektiver, sich auf ausgewählte Themen zu konzentrieren, als an allen Stellen gleichzeitig helfen zu wollen. Positiver Nebeneffekt: Wer sich spezialisiert, baut erhebliches Wissen über den jeweiligen Bereich auf, was wiederum die Beurteilung potenzieller Förderprojekte erleichtert.

Sich am gesellschaftlichen Bedarf orientieren und Themenschwerpunkte setzen – das sind die Grundvoraussetzungen, um wirkungsvoll fördern zu können. „Gut Fördern“ geht jedoch darüber hinaus und impliziert, dass eine Förderin auch aktiv Verantwortung für die Förderorganisation übernimmt

Ganz wichtig: Aktive Strukturförderung fördern!

Viele Förder*innen neigen dazu, ausschließlich Projektarbeit zu unterstützen. Doch qualitativ hochwertige Projektarbeit erfordert auch Büroräume, eine IT-Infrastruktur, qualifiziertes Personal, eine Wirtschaftsprüfung etc. – all das gibt es nicht zum Nulltarif. Daher sollten Förder*innen gemeinnützige Organisationen auch strukturell unterstützen.

Vereinzelt gibt es bereits Förder*innen, die bei Organisationen in professionelle, langfristig tragfähige Strukturen investieren – neudeutsch „capacity building“ –, sie beraten oder in ihre Netzwerke einbeziehen. Diese aus der Venture-Philanthropy-Szene abgeleitete Förderpraxis ist zwar aufwendig und führt dazu, dass eine Förderin vielleicht nicht ganz so viele Förderbeziehungen unterhalten kann. Dafür versprechen diese aber auch ein höheres Maß an Wirksamkeit und Nachhaltigkeit.

Ideen, wie so eine Strukturförderung konkret aussehen kann, haben wir hier aufgeschrieben: „Warum institutionelle Förderung so wichtig ist“. [LINKLINKLINK]

Was ich durch die Förderung neu gelernt habe, ist das ganze Thema Buchhaltung, Cashflow-Planung. Das gibt mir jetzt die Möglichkeit, Dinge besser zu planen. – Holger Kähler, Videlis Seniorenreisen e.V.

Statt Projektitis: Langen Atem beweisen

Apropos Nachhaltigkeit: Im Idealfall werden Projekte, deren gesellschaftliche Relevanz und Wirksamkeit belegt sind, dauerhaft finanziert und über den jeweiligen Modellstandort hinaus verbreitet. Was naheliegend klingt, ist in der Realität leider anders. Auch sehr erfolgreiche Projekte werden oft nach wenigen Jahren wieder eingestellt.

Und das zumeist aus zwei Gründen:

  1. Weil die gängigen Förderzeiträume von drei Jahren knapp bemessen sind. Junge Projekte benötigen mehrere Jahre, um Strukturen aufzubauen, die Zielgruppe zu erreichen oder Kooperationspartner*innen zu überzeugen.
  2. Anstatt erfolgreiche Projekte weiter zu fördern, werden – aus falsch verstandenem Innovationsstreben heraus oder aus Imagegründen – fortwährend neue, „innovative“ Projekte ins Leben gerufen.

Beide Gründe führen unweigerlich dazu, dass die bislang getätigten Investitionen in Organisationen nahezu rückstandslos verpuffen. Das ist die gefürchtete „Projektitis“.

Verantwortungsvolles, gutes Fördern hingegen hieße, sich bewusst dafür zu entscheiden, ob man junge, innovative, risikobehaftete Projekte unterstützen möchte oder Projekte fördert und langfristig fortführt, die ihre Wirksamkeit bereits nachgewiesen haben.

Manche Organisationen werden von den immer gleichen Stiftungen gefördert, erhalten aber meist nur Projektförderungen und keine institutionellen Gelder. Das passt nicht. – Thomas Müller-Schöll, Schützer der Erde e.V.


Selbstverständlich braucht der gemeinnützige Bereich Innovation! Aber er braucht genauso die Bereitschaft, erfolgreiche Projekte nachhaltig zu unterstützen – und sie wenn möglich auch zu verbreiten.

Die vielfach geäußerte Erwartung, wirksame Modellvorhaben würden nach einer Anschubfinanzierung irgendwann von jemand Drittem übernommen und weitergeführt, ist leider reines Wunschdenken. Eine Förderin, die möchte, dass ein Dritter ihr Förderprojekt weiterführt, sollte diesen Dritten möglichst frühzeitig ausfindig machen und in alle Planungen einzubeziehen.

Wirkung, so wichtig!

Wirkung erzielen, einen gesellschaftlichen Unterschied ausmachen – das liegt im Eigeninteresse jeder Förderin, unabhängig von Fördervolumen und Standing. Entsprechend entspannt sollten Stiftungen sich dem Wirkungs-Hype nähern und das Thema vor allem als Chance betrachten. Denn welche Wirkung man erzielen möchte, wie man diese Wirkung feststellt und welche Schlüsse man aus der Wirkungsmessung zieht, hat jede Förderin selbst in der Hand. Im Sinne eines guten Förderns kommt es vor allem darauf an, ebendiese Wirkung frühzeitig mitzudenken.

Wirkungsorientiertes Arbeiten heißt, regelmäßig und systematisch zu prüfen, ob die avisierten Ziele erreicht wurden bzw. noch erreicht werden können. Wirkungsorientiertes Arbeiten weist damit auch auf Fehlentwicklungen hin und ermöglicht ein frühes Gegensteuern. 

Die Gesellschaft braucht einfach solche wie uns, die an der Basis was tun. Aber sie braucht auch Förder*innen, die im Hintergrund das Ganze koordinieren und voranbringen. – Holger Kähler, Videlis Seniorenreisen e.V.

Verschwiegen werden soll nicht, dass die Wirkungen gemeinnütziger Arbeit sich häufig nur schwer erfassen lassen. Weil das so ist, erliegen manche Förder*innen der Versuchung, Scheinindikatoren zu entwerfen, die sich leicht überprüfen lassen und zu schnell sichtbaren Ergebnissen führen. Das wiederum ist fatal, denn falsche Indikatoren erzeugen falsche Anreize. Im Extremfall geht es in der Förderarbeit dann nur noch um Öffentlichkeits- und Reputationseffekte. Oder es kommt zu einem Konkurrenzdenken gegenüber anderen Förderer*innen.

Um das zu vermeiden, muss Wirkungsorientierung in das gesamte Projektmanagement integriert sein. Gut Fördern heißt also in diesem Zusammenhang, dass sich Förderin und Non-Profit gemeinsam auf konkrete Ziele einigen – Was soll wann wie wo erreicht werden und mit welchem Aufwand? – und gemeinsam Meilensteine für jede einzelne Projektphase festlegen.

Ob und in welchem Grad (Zwischen-) Ziele erreicht sind und wie etwaigen Problemen begegnet wird, für diese wichtigen Informationen ist die Organisation zuständig. Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber, dass beide Seiten regelmäßig miteinander kommunizieren und nicht nur punktuell oder erst nach Projektabschluss. Soweit die Theorie.

In der Realität bleibt eine angemessene Evaluation der Wirkungen oft aus. Entweder, weil im Vorfeld keine Wirkungsindikatoren entwickelt wurden, weil es schlicht an Kompetenzen mangelt oder weil wissenschaftliche Evaluationen zu aufwändig erscheinen. Aus welchen Gründen auch immer sie ausbleibt: Ohne angemessene Evaluation von Projekten gehen wertvolle Erkenntnisse über Verbesserungspotenziale verloren.

Denkbare Lösung: Statt komplett auf eine Evaluation zu verzichten, könnte die Stiftung die zu erhebenden Daten gewichten. Ist das Projekt groß und das Budget klein, kann es sinnvoll sein, lieber einen kleinen, aber relevanten Teil eines Förderprojekts gut zu evaluieren, als Daten für das komplette Projekt zu erheben und dabei qualitative Abstriche in Kauf nehmen zu müssen. Schließlich geht es nicht darum, jede einzelne Wirkung bis aufs Komma genau zu berechnen.

In kleineren Projekten lassen sich auch mit wenig Aufwand erste Erkenntnisse zur erzielten Wirkung gewinnen – etwa durch die regelmäßige Befragung von Projektbeteiligten und Teilnehmenden. Großangelegte, wissenschaftliche Studien sind also keineswegs immer vonnöten. Gemeinsames Reflektieren in Lernrunden darüber, welche Ziele erreicht wurden und welche nicht, ist bereits ein erster Schritt.

Transparenz: Förderrichtlinien und Antragsverfahren

Das Gelingen eines Förderprojekts steht und fällt mit der gemeinnützigen Organisation. Um entsprechend kompetente Organisationen ausfindig zu machen, empfiehlt sich daher die Formulierung klarer Förderrichtlinien. Intern dienen sie als Kriterienkatalog und Rechtfertigung für die Auswahl von Förderanträgen. Und nach extern kommuniziert, können sie verhindern, dass sich unpassende Organisationen bewerben oder zuhauf Blindbewerbungen eintreffen. Jede unpassende Bewerbung verursacht zusätzliche Arbeit, auf beiden Seiten. 

Die Förderrichtlinien sollten leicht auffindbar und angemessen präzise sein. Angemessen präzise heißt, dass Schwerpunkte und Einschränkungen genannt werden, etwa eine Liste der Themen, die man explizit nicht fördert. Idealerweise wird all das schlüssig mit der Vision und Strategie der Förderin verbunden, so dass auch Organisationen, die sich nicht bewerben, einen professionellen Eindruck gewinnen.

Förderanträge zu schreiben, ist eine zeitaufwändige Aufgabe. –Thomas Müller-Schöll, Schützer der Erde e.V.


Im Antragsverfahren sollten neben den üblichen Kennzahlen auch wesentliche Aspekte der Wirkungsorientierung abgefragt werden, z.B. zur gesellschaftlichen Bedarfslage, zu genauen Aktivitäten, zu den erwarteten Wirkungen etc. Das verringert nicht nur die Zahl der Blindbewerbungen. Vielmehr lassen sich bereits an dieser Stelle diejenigen Organisationen identifizieren, die professionell aufgestellt sind und die genau wissen, was sie tun. 

Wie umfangreich das Antragsverfahren insgesamt gehalten wird, sollte sich danach richten, was der Förderin entspricht und den Bewerber*innen jeweils angemessen ist. Eine Blaupause gibt es nicht.

Professionalität beweisen, nach innen und außen

Förder*innen wählen sich Projektpartner*innen aus, die ihre Ziele und Ideen professionell umsetzen können. Die dabei auftretende Konstellation – hier die großzügige Mittelgeber*in, dort die dankbare Empfänger*in – birgt die Gefahr, dass die besondere Position der Förderin gegenüber den finanziell abhängigen und manchmal auch weniger professionellen Empfänger*innen das Verhältnis weniger partnerschaftlich ausrichtet. Machtgehabe, Eingriffe in die Projektgestaltung oder undurchsichtige Entscheidungsprozesse sind Usus.

Förder*innen sollten sich daher um ein möglichst partnerschaftliches Verhältnis gegenüber „ihren“ Organisationen bemühen. Denn nüchtern betrachtet erfolgt ein gleichberechtigter Leistungsaustausch: Die Förderin gibt die Mittel, die Empfängerorganisation zahlt diese mit erfolgreicher Projektarbeit zurück.

Die Fähigkeit einer Förderin, seriöse Projektpartner*innen auszuwählen, mit ihnen aktiv zu kooperieren und zuvorkommend zu kommunizieren, trägt daher maßgeblich zur Erfüllung ihrer strategischen Ziele bei. Förder*innen sollten in diesem Zusammenhang auch prüfen, ob und wie sie auch unverstelltes kritisches Feedback von ihren Mittelempfänger*innen erhalten können – ein wirksames Mittel gegen Selbstreferenzialität und für qualitative Weiterentwicklung!

Gut fördern!

Natürlich bieten die vorgenannten Aspekte guten Förderns keine Garantie dafür, dass ein Förderprojekt tatsächlich Erfolge erzielt oder eine Förderbeziehung per se gewinnbringend wird.

Aber sie bilden den Nährboden, aus dem eine erfolgreiche und wirksame Förderarbeit überhaupt erst erwachsen kann. Bei vielen Aspekten gibt es kein klares richtig oder falsch – wichtig ist es vielmehr, Fördern als Prozess zu begreifen, der weit über das bloße Geldgeben hinaus reicht.

Dieser Beitrag wurde ermöglicht mit Mitteln der Deutschen Postcode Lotterie. Danke!

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