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Als im Corona-Frühjahr 2020 in Präsenz plötzlich nichts mehr ging, stand das Handwerkerinnenhaus vor großen Herausforderungen. Ein Verein, der Mädchen in eigener Werkstatt zum Handwerk führen möchte, kann nicht so ohne Weiteres digitalisiert werden. Doch das Team lässt sich davon nicht einschüchtern: Mit Fingerspitzengefühl, guter Kommunikation und viel Kreativität wird der analoge Verein Schritt für Schritt digitalisiert.

Andrea Braun vom Handwerkerinnenhaus verrät uns ihre drei Tipps, wie man von einem vollkommen analogen Verein zu einer digitalen Organisation wird.


1. Seid offen für Neues!

Das Team des Handwerkerinnenhauses unterschied bei den ersten Schritten Richtung Digitalisierung klar zwischen der teaminternen Zusammenarbeit und der Projektarbeit mit den teilnehmenden Mädchen.

Zunächst wurde zeitnah die Hardware aufgerüstet: Neue, leistungsstarke Laptops, Diensthandys und eine digitale Telefonanlage sorgten für eine solide Basis. Zwar gab es auch vor Corona schon Computer und Tablets, doch bei Weitem nicht genug, dass 13 Frauen effektiv im Home Office hätten arbeiten könnten. Über die Angebote von Stifter helfen sparte das Handwerinnenhaus hier erheblich Geld. Parallel wurde auch der Server auf mehr Leistung hin optimiert.

Auch für die Werkstatt wurden Laptops angeschafft, insbesondere für Mädchen, die zu Hause keinen Zugriff auf einen Computer besitzen. So konnte sichergestellt werden, dass der Kontakt zur Zielgruppe auch während des Lockdowns bestehen blieb.

Die tatsächliche Arbeit mit der Zielgruppe in der hauseigenen Werkstatt ließ sich hingegen weniger einfach digitalisieren. Um die Schließzeiten zu überbrücken, kamen kleine Do-it-yourself-Videos zum Einsatz, mit denen die Mädchen auch von Zu Hause aus Anleitungen bekamen (hier einige Beispielvideos).

Darüber hinaus wurde auch online unterrichtet, denn im Handwerkerinnenhaus können Schulabbrecherinnen auch ihren Abschluss nachholen. Die größte Herausforderung bestand darin, die hohen Datenschutzstandards einzuhalten. Eine externe Datenschutzbeauftragte half dem Team, die richtigen Programme für sich zu finden. Schöner Nebeneffekt: Im Zuge dessen wurden auch die Mädchen für das Thema Datensicherheit sensibilisiert.

2. Habt Vertrauen in eure Arbeit!

Mit Beginn des ersten Lockdowns entwarf das Team des Handwerker*innenhauses Strategien, wie es weiter gehen könnte. Arbeitsgruppen wurden gebildet und ein wöchentliches ZOOM-Teammeeting eingeführt. Als basisdemokratisch arbeitender Verein waren die Mitarbeiterinnen ohnehin geschult darin, auch schwierige Entscheidungen im Sinne aller Beteiligten zu treffen – diese „Kultur“ kam ihnen nun zu Gute.

Zudem hat der Verein in seiner 30-jährigen Geschichte bereits einige schwierige Zeiten überwunden. Das und der Umstand, dass die meisten Mitarbeiterinnen schon lange dabei sind, führte zu einer konstruktiven, unaufgeregten Herangehensweise, in der vor allem der Gestaltungsspielraum gesehen wurde.

3. Kommuniziert offensiv!

Als sich abzeichnete, was das Jahr 2020 für Überraschungen bereithielt, suchte das Handwerkerinnenhaus direkten Kontakt zu bestehenden Förder*innen. Regelmäßig wurden Infobriefe an alle geschickt. Dadurch schufen sie Verständnis und Entgegenkommen und es gelang, viele der bereits freigegebenen Gelder auf neue, nunmehr digitale Projektformate ummünzen. Niemand im Team musste um die eigene Existenz bangen. Dadurch konnten recht schnell und unkompliziert neue digitale Angebote für die Mädchen geschaffen werden: Online-Lernformate, Do-It-Yourself-Videos und Austauschveranstaltungen.

Das Handwerkerinnenhaus aus Köln zeigt beispielhaft, was es für die Digitalisierung vor allem braucht: Neugierde, Flexibilität und einen guten Teamzusammenhalt. Nur so können auch analoge Vereine in Zeiten des Social Distancing gut weiter zusammenarbeiten. Oder in den Worten von Andrea Braun: Jammern nutzt ja nichts!

Autorin: Merle Becker

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