Interview

Wertvorstellungen und Geschäftsmodell sollten sich wechselseitig stärken!

Foto: MetsikGarden auf Pixabay

Interview mit Josef Wieland, Professor für Institutional Economics & Transcultural Leadership an der ZU Friedrichshafen

Die Diskussion um eine moralische Neuorientierungen der Wirtschaft ist im Gange. Welches sind Ihrer Meinung nach die 2-3 stärksten Argumente, die Social Entrepreneurs und gemeinnützige Organisationen zur Debatte beisteuern können?

Josef Wieland: Die moderne Ökonomie verengt ihre Zielfunktion nicht auf den Shareholder Value. Es geht um Shared Value Creation, also um Wertschöpfung für alle beteiligten gesellschaftlichen Stakeholder. Das ist das genuine Kompetenzfeld von Social Entrepreneurs und gemeinnützigen Organisationen.

Moral und Ethik sind abstrakte Begriffe. Wie lebe ich das im Alltag, der häufig von Termindruck, knappen Kassen und zu wenig Personal bestimmt ist?

Josef Wieland: Das ist in der Tat eine zentrale Herausforderung! Aus moralischen Prinzipien selbst ergibt sich in der Regel nicht, was sie in der Praxis bedeuten. Das zu definieren, ist eine Führungsaufgabe und muss in den vorhandenen Managementprozessen durch Werte-Management verankert werden.  

Partnerschaften zwischen Unternehmen und Non-Profits gelten Vielen als unmoralisch. Warum sollten Ihrer Ansicht nach Non-Profits dennoch mit Unternehmen zusammenarbeiten? Wer profitiert da von wem?

Josef Wieland: Ich denke, man sollte diese Zusammenarbeit so betreiben, dass sich eine Win-win-Situation ergibt. Austausch von Wissen, gemeinsames Lernen, Kooperation bei der Durchführung von Projekten – das sind Bereiche, in denen das möglich ist.

Wann und wo würden Sie sagen: Unter diesen Umständen sollte eine Non-Profit nicht mit einem Unternehmen zusammenarbeiten?

Josef Wieland: Wenn man sich mit dem Produkt oder Service eines Unternehmens nicht identifizieren kann, ist das sicherlich ein Grund. Der andere sind Beschaffungs- oder Vertriebsprozesse, die mit den eigenen ethischen Standards nicht kompatibel sind.

Unternehmen und Non-Profits folgen jeweils einer eigenen Funktionslogik. Wie kann es gelingen, unterschiedliche Haltungen, Erwartungen, Vorlieben übereinander zu bekommen, damit die Kooperation auch ein Erfolg wird?

Josef Wieland: Erwartungsmanagement auf der Basis einer gründlichen Analyse der wechselseitigen Interessen und Werte ist dafür entscheidend.

Bei Kooperationen wird viel von Synergien gesprochen, die durch die gemeinsame Arbeit gehoben werden können. Aber, ganz ehrlich: Wurden tatsächlich jemals Synergien gehoben? 

Josef Wieland: In der Tat, manchmal wird etwas leichtfertig über Synergien geredet, wenn man nicht so genau weiß, warum man kooperieren will. Es gilt, was ich gerade erwähnte: Die Interessen, Erwartungen und komplementären Ressourcen der angestrebten Kooperation müssen geklärt werden.

Stichwort Gründung: Was für ein Mindset muss ich mitbringen, wenn ich ein modernes Sozialunternehmen gründen möchte? Inwiefern unterscheidet sich das von demjenigen, der eine normale Non-Profit gründen möchte, mit der er einen sozialen Missstand behebt?

Josef Wieland: Es sollte klar sein, das es nicht um Charity sondern um professionelles Wirtschaften für eine gesellschaftliche Zielvorstellung geht.

Wie begegne ich dem moralischen Widerspruch zwischen "ich will helfen" und "ich muss Geld verdienen"?

Josef Wieland: Das ist ein möglicher Zielkonflikt zwischen zwei moralisch akzeptablen Werten. Es scheint mir ja gerade das Ethos des Social Entrepreneurs zu sein, dass ich gesellschaftliche Wertvorstellungen und mein zu wählendes Geschäftsmodel so miteinander verbinde, dass sie sich wechselseitig stärken.

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