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Wie kann man junge Menschen auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten? Das innovative Bildungskonzept der Kabakoo Akademien will diese Lücke schließen. Und die Wirtschaft davon profitieren lassen.

Wettbewerb, Noten, Ellenbogenmentalität, das alles sind Merkmale des klassischen Schulsystems in vielen Ländern der Welt – und das schon in der Grundschule. „Wir brauchen neue Lernformen, um die Herausforderungen der Zukunft angehen zu können“, findet Yanick Kemayou. Er ist Gründer der Kabakoo Akademien mit Sitz unter anderem in Mali. Mit seinem ungewöhnlichen Bildungskonzept will er dort Arbeitsplätze schaffen, wo auch Nachfrage besteht. Wie, das erklärte er in unserer Virtuellen Kaffeepause.

Ein neues Bildungskonzept gegen weltweite Krisen

Kemayou ist der Ansicht, dass die Welt vor allem vor zwei großen Aufgaben steht: der Bewältigung der Klimakrise und der sozialen Krise. Dafür hat er ein neues Bildungskonzept entwickelt, das unter anderem vom Weltwirtschaftsforum ausgezeichnet wurde. Der Fokus liegt auf Kooperation und problemorientiertem Lernen, Kemayou nennt es auch „Ökosystem-basiertes Lernen“.

Im Klartext heißt das: Die Schüler*innen lernen und forschen zusammen und sie lernen, Menschen zuzuhören, Fragen zu stellen und Probleme zu identifizieren. Als Grundlage dienen nicht nur wissenschaftlichen Schriften, sondern auch das lokale Wissen und die Diversität der Weltanschauungen und Kulturen. 

Von Schüler*innen entwickelt: Prothesen aus dem 3D-Drucker

Alle Lernenden arbeiten an der Lösung eines Problems, das sie zuvor selbst identifiziert haben. So beobachtete zum Beispiel eine junge Frau, dass sich viele Menschen in ihrem Umfeld nach Amputationen keine Prothesen leisten konnten, die meist in Europa hergestellt wurden. Durch die beschränkte Mobilität wurden diese Menschen gesellschaftlich ausgegrenzt.

Die junge Frau lernte mit Hilfe von erfahrenen Coaches Projektmanagement, 3D-Design und 3D-Druck. In einem Team entwickelte sie dann eigene Prothesen. Der erste Prototyp wird gerade von ihrer Cousine getestet.

Lernen für alle – ohne Lehrer*innen und Lehrplan

Momentan lernen etwa 80 Menschen zwischen 16 und 26 Jahren an den Kabakoo Akademien in Mali. Ausgewählt werden sie anhand ihrer intrinsischen Motivation, denn diese Lernform setzt voraus, dass die Schüler*innen wirklich lernen und etwas bewegen wollen. Alle Lernenden müssen Französisch lesen und schreiben können. Ansonsten wird nichts vorausgesetzt.

Der Grund: Jede*r soll die Möglichkeit bekommen, sich zu bilden. Deshalb testet Kemayou immer neue Finanzierungsmodelle – zum Beispiel verkauft die Akademie Lernangebote an Agenturen und bietet ein flexibles Abo-Modell mit geringen Gebühren an. Noch ist die perfekte nachhaltige Finanzierungslösung nicht gefunden, aber das Team bleibt kreativ.

Statt Schulen gibt es hier Co-Learning-Spaces, statt Lehrer*innen gibt es Coaches. Einen klassischen Lehrplan wird man an den Kabakoo Akademien ebenfalls nicht finden, denn jede*r Schüler*in soll sehr individuell lernen.

Wir Menschen brauchen die Möglichkeit, uns weiterzubilden, wir brauchen gesundheitliche Versorgung.

Diese neuen Formen des Lernens sind für Kemayou unmittelbar mit neuen Formen des Wirtschaftens verbunden. „Wir wollen Strukturen schaffen, die es uns ermöglichen, ein angenehmes Leben zu führen. Wir Menschen brauchen die Möglichkeit, uns weiterzubilden, wir brauchen gesundheitliche Versorgung“, erklärte er in der Virtuellen Kaffeepause. Aber dies dürfe nicht auf Kosten anderer Beteiligter des Ökosystems passieren. „Wenn wir das lernen, können wir es auch auf die Wirtschaft übertragen.“

Als ersten Standort der Kabakoo Akademien wählte Kemayou Mali aus, weil viele weltweite Krisen in der Sahel-Zone schon gravierende Auswirkungen zeigen. Wenn es hier gelingt, hier Lösungen zu finden, Jobs zu schaffen und Kooperationen zu fördern, dann ist dies auch in anderen Teilen des afrikanischen Kontinents und weltweit möglich – so die These.

Es sei höchste Zeit, sich den Krisen und Herausforderungen der gegenwärtigen Generation zu stellen: „Wir haben keine Wahl. Wenn man weiß, dass man keine Wahl hat, dann bleibt man am Ball. Wir müssen jetzt etwas tun, sonst ist es zu spät.“  

Über Yanick Kemayou

Kemayou wuchs in Kamerun auf, machte dort Abitur und begann ein Studium. Doch schon bald sah er, dass auch die bestausgebildeten Mitstudierenden nach ihrem Abschluss keinen Job fanden. Er beschloss, auszuwandern und landete schließlich in Deutschland. Nach vielen Aushilfsjobs und dem Erlernen der neuen Sprache machte er seinen Masterabschluss, bekam ein Stipendium in China und promovierte in Deutschland.

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