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Entscheidungshilfe: Solltet ihr mit anderen kooperieren (oder eher nicht)?

Nicht zu jedem Projekt passt der kooperative Ansatz des gemeinsamen Wirkens | Leon, Unsplash

Ihr seid unsicher, ob ihr mit anderen kooperieren solltet? Unsere Entscheidungshilfe unterstützt euch, Chancen und Herausforderungen von Kooperationen zu erkennen.

Viele gesellschaftliche Probleme sind komplex und lassen sich nicht allein lösen – zum Beispiel die Klimakrise oder das Beseitigen der Kinderarmut in Deutschland. Wenn sich mehrere Akteure zusammentun und gemeinsam in dieselbe Richtung gehen, können sie mehr bewirken.

"Besonders gut funktioniert es, gemeinsam zu wirken, wenn man auch einen gemeinsamen Schmerz verspürt", erklärt Alina Scottmann, Programmleiterin des Projekts Bücherkoffer beim coach e.V.. "Man hat ein Anliegen, was man mit anderen teilt und möchte was verändern."

Aber Kooperationen sind nicht bei allen Projekten sinnvoll. Gelegentlich überwiegen absehbare Stolperfallen die erwarteten positiven Effekte einer Kooperation.

Generell sind Kooperationen sinnvoll, wenn

  • ihr komplexe Probleme lösen wollt,
  • ihr eine langfristige gesellschaftliche Wirkung anstrebt,
  • bei allen Akteuren die Bereitschaft besteht, eigene Ansätze zu hinterfragen und neue zu entwickeln, 
  • alle Mitstreitenden bereit sind, zu kooperieren, Wissen zu teilen und mit Partnern zusammenzuarbeiten.

Gibt es im Bereich eures Projekts Akteure, die ebenfalls nach einer Lösung für euer Problem suchen? Dann könnt ihr überlegen, ob ihr eure Kräfte bündeln wollt. Wie gut das klappen kann, zeigte sich erst jüngst in einer Krisensituation: der Hochwasserkatastrophe 2021 in Nordrhein-Westfalen. 


Da stehen dann Menschen ganz unterschiedlicher Hintergründe nebeneinander und schaufeln Sandsäcke, weil sie ein gemeinsames Anliegen haben, was sie verfolgen

... sagt Alina Sottmann. 

Chancen von Kooperationen 

  •  Statt nur einzelne Zielgruppen zu erreichen, könnt ihr gemeinsam eine breite Veränderung im System bewirken und damit das Problem bei der Wurzel anpacken.
  • Ihr könnt nachhaltige Veränderungen auf verschiedenen Ebenen bewirken – bei der Zielgruppe selbst, in ihrem Umfeld, in euren eigenen Organisationen, in Politik und Gesellschaft.   
  • Statt kurzfristiger Veränderung findet ihr möglicherweise langfristig tragfähige Lösungen.
  • Durch Kooperationen ist eine stärkere Vernetzung möglich, wodurch ihr wiederum laufend dazulernen könnt, zum Beispiel über neue, anders wirksame Ansätze
  • Das Zusammenwirken mit Gleichgesinnten kann auch eure eigene Organisation nach vorne bringen. Vielleicht wird sie offener für zukünftige Kooperationen – vielleicht steigt die Motivation der Mitarbeiter*innen, weil sie sehen, was für eine große Veränderung sie erreichen können. 
  • Ein gemeinsames Auftreten mit anderen Akteuren nach außen bringt unter anderem bei Kommunikation und Mittelakquise weitere Vorteile.

Doch für Gemeinschaftsprojekte braucht es oft einen längeren Atem als für Alleingänge. Je mehr Mitstreiter*innen ihr ins Boot holt, umso zeitintensiver sind Kennenlernphase, Entscheidungsprozesse und Abstimmungen. Eine wirkungsvolle Zusammenarbeit funktioniert nicht von selbst; sie erfordert eine lange Anbahnungsphase, regelmäßige Beschäftigung und Zuwendung über die inhaltliche Arbeit hinaus.

Deshalb ist es wichtig, auch die Herausforderungen von Kooperationen zu kennen.

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Herausforderungen von Kooperationen

  • Unterschiedliche Interessen müssen unter einen Hut gebracht werden. Denn nur, weil ihr dieselben Ziele verfolgt, seid ihr noch längst nicht auf demselben Weg unterwegs. Und auch die Vorstellung, ab welchem Grad der Zielerreichung das Projekt beendet ist, weicht häufig voneinander ab.
  • Oft müssen erst einmal Beziehungen und Vertrauen zwischen den Partner*innen aufgebaut werden. Das braucht Zeit, und nicht zu knapp. Vertrauen ist nichts, das in kurzer Zeit entsteht und Vertrauen erfordert regelmäßige Vertrauensbeweise.
  • Auch wenn alle Akteure gemeinsame Ziele haben, sind eure Vorstellungen über das Wie und Was möglicherweise doch oft recht unterschiedlich: Methoden, Herangehensweise, Arbeitskulturen. Hier benötigt ihr einen Abgleich bzw. Aushandlungsprozess, der zäh und mühsam sein kann und womöglich trotzdem zu keiner Lösung führt.
  • Deshalb ist ein transparenter und kontinuierlicher Dialog unverzichtbar. Dafür sind zusätzliche Ressourcen nötig – insbesondere für die Koordination zwischen den Partner*innen. 

Kooperationen wollen gut überlegt sein

Kooperationen können eine sehr sinnvolle Sache sein, weil sie erlauben, einen Missstand schneller, umfassender, nachhaltiger und gemeinsam zu beseitigen. Der Weg in eine Kooperation hinein will dennoch gut überlegt sein. Ähnlich wie in einer Ehe sind die Partner*innen einander verbunden, im Guten wie im Schlechten.

Nicht alle Beteiligten verspüren außerdem immer denselben Schmerz, den Alina Sottmann oben thematisiert hat. Deshalb empfiehlt es sich, frühzeitig, offen und ehrlich zu sprechen – über Herausforderungen, Chancen und eine klare gemeinsame Vision.    

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