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Lernen, lernen und nochmals lernen – die Schnelllebigkeit der Arbeitswelt erfordert stetige Fort- und Weiterbildungen. Doch die kosten Geld. Wie bekommt ihr eure Vorgesetzten dazu, die Kosten zu übernehmen? – Wir liefern Antworten auf die fünf häufigsten Gegenargumente.

Gegenargument 1: „Das bringt doch nichts!“

Arbeitgeber*innen zahlen eine Weiterbildung meist nur dann, wenn auch das Unternehmen von der Maßnahme profitiert. Zwar ist laut einer Forsa-Umfrage die Mehrheit der Befragten der Meinung, dass Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen gleichermaßen von Fortbildungen profitieren. Gleichwohl gilt es aber, den beiderseitigen Mehrwert im Gespräch besonders herauszustellen.

Bereitet euch auf folgende Fragen vor:

  • Was könnt ihr nach der Fortbildung, was ihr vorher nicht konntet? Wie viel besser könnt ihr hinterher Dinge, die ihr vorher nur so halb geregelt bekamt? Welche neuen Kompetenzen besitzt ihr danach? Wichtig könnte sein, dass die avisierten Mehr-Kenntnisse klar ersichtlich sind, graduelle Änderungen hingegen sind vermutlich wenig überzeugend.
  • Inwiefern profitiert eure Organisation davon? Welche Know-how-Lücke schließt ihr? An welchen Stellen trägt die Weiterbildung zu mehr Innovation oder Wirkungsorientierung bei? In welchem Maße arbeitet ihr und das Team hinterher schneller, besser, anders? Führt die Maßnahme dazu, dass ihr im Kontext der Gesamtorganisation vielseitiger einsetzbar seid? 
  • Inwiefern arbeitet ihr danach effektiver? Welche Prozesse, Projekte, Aufgabenpakete, Kolleg*innen profitieren von eurer Weiterbildung? In welchem Ausmaß? Wo sparen die Mehr-Kenntnisse womöglich Ressourcen ein, die bislang nach extern vergeben wurden?

Bringt schon im ersten Gespräch passendes Informationsmaterial mit. Ihr solltet auskunftsfähig sein zu Dauer, Kosten, sonstigen Aufwänden.

So könnte eure Antwort aussehen:
In der Fortbildung lerne ich, mit Wirkungstreppen zu arbeiten. Mithilfe von Wirkungstreppen können wir deutlich genauer als zuvor überprüfen, ob unsere Projekte noch immer gut laufen, an welchen Stellen wir gegensteuern sollten und wo genau wir Ressourcen optimieren können. Außerdem können wir mithilfe von Wirkungstreppen das Fundraising und unsere Kommunikation nach außen befeuern – etwa bei Förder*innen und Spender*innen. Hinzu kommt, dass ich mein Know-how dann auch an andere weitergeben kann, sodass viele von uns von der Weiterbildung profitieren!“

Gegenargument 2: „Wir haben gerade andere Baustellen!“

Überlegt euch vor dem Gespräch, welche aktuellen und künftigen (!) Herausforderungen die Organisation stemmen muss und inwiefern die Weiterbildung zur Lösung beitragen kann.

  • Ihr verschlaft die Digitalisierung oder Thema XY? – Kein Problem! Im Rahmen einer Weiterbildung schlaut ihr euch nicht nur über aktuelle Tools und Trends auf, sondern lernt auch Vertreter*innen anderer Organisationen kennen, mit denen ihr euch vielleicht sogar regelmäßig austauschen werdet. Im Sinne des Peer-Learnings Ihr lernt voneinander, anstatt selbst das Rad neu erfinden zu müssen. Mehr zum Thema Peer-Learning im sozialen Sektor halten die Kolleg*innen von D3 bereit.  
  • Ihr braucht mehr Sichtbarkeit bei wichtigen Stakeholdern? – Sektorübrgreifende Weiterbildungen wie bspw. beim SKala-CAMPUS, wo Non-Profits, Sozialunternehmer und klassischen Unternehmensvertreter*innen zusammenfinden, helfen ungemein, das eigene Netzwerk über die eigene Bubble hinaus zu erweitern und so potenzielle neue Förder*innen auf eure Organisation aufmerksam machen. 
  • Ihr sucht neues Personal? – In diesem Fall helfen Weiterbildungen in zweierlei Hinsicht: Zum einen lernt ihr in Weiterbildungen vermutlich interessante Menschen kennen, die womöglich potenziell interessante Kandidat*innen für eine vakante Stelle bei euch sein könnten. Und zum zweiten sorgen Weiterbildungen dafür, dass ihr selbst auf Dauer motiviert bleibt, was für den Arbeitgeber auch nicht uninteressant ist. Weiterbildung sind der beste Magnet zur Mitarbeiter*innenbindung. 91 Prozent der Arbeitnehmer*innen in Deutschland sind der Meinung, dass lebenslanges Lernen eine zentrale Aufgabe ist. (Hier findet ihr die Studie zu Lebenslangem Lernen von Randstad.)

Je genauer ihr um die aktuellen (und künftigen) Herausforderungen der Organisation wisst, desto zielgerichteter könnt ihr auch den Nutzen der Fortbildung benennen.

Das könnte eine gute Antwort sein:

„Unsere größte Herausforderung momentan ist der Mangel an Fördergeldern. Mit dieser Fortbildung lerne ich nicht nur, unsere Arbeit besser zu kommunizieren und unsere Wirkung darzustellen, sondern ich werde auch Teil eines Netzwerks, in dem sich viele Förder*innen aufhalten. Diese Kontakte haben für uns langfristig einen großen Wert.“

Gegenargument 3: „Dafür haben wir momentan kein Geld!“

Weiterbildungskosten gelten als betriebliche Maßnahmen und können von der Steuer abgesetzt werden (Bei Gründerhomepage und bei bei test.de findet ihr mehr Tipps zu den Möglichkeiten der Kostenabsetzung). Zudem fallen darauf keine Sozialversicherungsabgaben an. Wenn das Budget knapp ist, könnten Online-Weiterbildungen interessant sein, da keine Zusatzkosten durch Reisen und Übernachtungen entstehen.

Macht im Gespräch deutlich, dass die Ausgaben für Fort- und Weiterbildungen eine Investition sind, keine Ausgabe. Organisationen mit Mitarbeiter*innen, die sich trotz der stetigen technologischen Weiterentwicklungen nicht fortbilden, werden langfristig deutlich höhere Ausgaben haben, weil sie dann auf externes Know-how zurückgreifen müssen.

Im Übrigen gibt es Möglichkeiten für Arbeitgeber*innen, sich Ausgaben für Fort- und Weiterbildungen der Mitarbeiter*innen staatlich fördern zu lassen. Mehr über Fördermöglichkeite findet ihr hier.

Versucht es doch mal mit dieser Antwort:
„Ich weiß, dass wir mit unserem Budget haushalten müssen, aber diese Fortbildung ist eine Investition in die Zukunft. Viele der Aufgaben, die wir momentan auslagern und nicht selbst erledigen können, kann ich dann intern übernehmen. Und Sie können die Ausgaben von der Steuer absetzen. Langfristig sparen wir also Gelder ein.“

Gegenargument 4: „Und nach der Weiterbildung bewerben Sie sich dann woanders!“

Ein Totschlagargument aus der unteren Schublade. Solltet ihr das zu hören bekommen, zeigt euren Vorgesetzten, dass die Weiterbildung dem Unternehmen langfristig zu Gute kommen wird und ihr ein großes Interesse daran habt, zu bleiben. Macht eure Verbundenheit mit der Organisation deutlich! Es gibt auch die Möglichkeit, sich im Gegenzug zur Kostenübernahme vertraglich für eine bestimmte Zeit an das Unternehmen oder die Organisation zu binden. Hier findet ihr mehr Informationen dazu – inklusive einer Mustervereinbarung.

Diese Antwort könnte euch weiterhelfen:

„Ich möchte diese Fortbildung machen, damit unsere Organisation davon profitiert und auch weiterhin konkurrenzfähig ist. Ich will weiterhin hier arbeiten und meinen Job erledigen, nur eben besser und effizienter als bisher. Ich biete gern an, dass wir eine schriftliche Vereinbarung über die anteilige Rückzahlung von Weiterbildungsgeldern machen, sollte ich innerhalb von Zeitraum X die Organisation verlassen.“

Gegenargument 5: „Für so etwas haben Sie doch Ihre Freizeit!“

Zeigt eurem Arbeitgeber, welche Aufwände euch im Privaten für diese Fortbildung entstehen! Lernt ihr auch am Wochenende, an Urlaubstagen oder am Abend? Nutzt ihr dafür das Büro zu Hause? Nehmt ihr darüber hinaus noch vertiefende Angebote wahr oder nehmt an Netzwerkveranstaltungen teil? All das solltet ihr detailliert aufzeigen können. Mit einer App wie zum Beispiel toggl könnt ihr die investierte Zeit genau erfassen.

So könnte sich das anhören:

„Ja, ich werde auch meine Freizeit für diese Fortbildung nutzen und abends sowie am Wochenende lernen. Aber die Workshops finden an drei Donnerstagen statt und diese würde ich gerne auch belegen. Am Samstag gehe ich dann noch zu der Netzwerkveranstaltung, um die anderen Teilnehmer*innen besser kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen.“

Gute Vorbereitung ist die Basis

Organisationen zahlen ihren Mitarbeiter*innen vor allem dann die Fort- und Weiterbildungen, wenn …

  • diese zur Aufgabenbeschreibung der Stelle passen bzw. diese sinnvoll erweitern 
  • sie Mitarbeiter*innen dadurch langfristig an die Organisation binden können und/oder
  • sie Mitarbeitende belohnen wollen.

Diese Punkte sollten sich auf jedem Fall in eurer Argumentation wiederfinden.

Allgemein gilt: Sucht euch den richtigen Moment dafür aus, das Thema anzuschneiden und überrumpelt eure Vorgesetzten nicht. Bestenfalls findet das Gespräch nach einem von euch erfolgreich abgeschlossenen Projekt statt oder zu einem Zeitpunkt, an dem ihr deutlich zeigen könnt, dass ihr eure Ziele erreicht habt.

Zudem kann es helfen, wenn ihr das Gespräch vorher mit einer vertrauten Person übt. So geht ihr sicherer und überzeugender in den Termin. Macht euch auch Notizen!
Hierfindet ihr weitere Tipps für eine gelungene Gesprächsvorbereitung von derUniversität Gießen.

Was sind eure Erfahrungen und Tipps für Gespräche mit den Vorgesetzten? Konntet ihr eure Organisation überzeugen, die Weiterbildungskosten zu übernehmen? Schreibt uns gerne an SKala-CAMPUS@phineo.org.

Autorin: Merle Becker