Praxistipp

NFTs, Charity-Streams & Co.: 3 neue Fundraising-Trends im Check

Fundraising in Form von Kryptowährung: steuereffizient aber umstritten wegen des hohen Energieverbrauchs | Unsplash, Kanchanara

Spenden sammeln via Blockchain oder Gaming für den guten Zweck – es gibt zahlreiche innovative Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung zu bekommen. Die Chancen und Risiken der neuen Fundraising-Trends und wie ihr sie nutzen könnt.

"WWF will mit NFTs bedrohte Tiere retten", mit Schlagzeilen wie diesen machte die Natur- und Umweltschutzorganisation Ende 2021 auf sich aufmerksam. NFT steht für "Non-Fungible Token" und ist eine Art Wertmarke in Form eines digitalen Objekts (mehr dazu weiter unten). Die Idee der WWF-Kampagne war, digitale Kunstwerke auf der Blockchain herauszugeben und zugunsten des Schutzes von zehn akut bedrohten Tierarten zu verkaufen.

So innovativ die Kampagne klang, war sie nur von kurzer Dauer: Zu groß war der Unmut derer, die NFTs als umweltschädlich betrachten. Die Kampagne zeigt, dass neuartige Fundraising-Trends und der Nutzen der neuen Technologien nicht nur Chancen, sondern auch Risiken bergen können. Umso wichtiger ist es, sich mit den Potenzialen der Innovationen auseinanderzusetzen und zu prüfen, was zu euch und eurer Mission passt.  

NFTs: nachhaltige Projekte fördern oder Missstände aufzeigen  

Ein NFT ist ein digitales Echtheitszertifikat, das auf einen bestimmten analogen oder virtuellen Gegenstand verweist. Kunstwerke, aber auch Bekleidung oder Immobilien werden als NFTs auf der Blockchain herausgegeben und stehen zum Kauf bereit. NFTs können auch auf einem Marktplatz wie Ebay versteigert werden. Wie bei der WWF-Kampagne geplant, kann der Gewinn für einen guten Zweck verwendet werden.

Chance:

Mit NFTs kann auf Missstände aufmerksam gemacht werden: So zeigte etwa der Berliner Künstler 3Dfraction auf dem NFT-Marktplatz snark.art in seinem Kunstwerk "Stop the War" das Drama von Kriegen wie der Russland-Invasion in die Ukraine auf. Er unterstützt damit nicht nur eine gute Sache, für Künstler*innen wie ihn bieten die digitalen Lösungen zahlreiche weitere Vorteile: NFTs sind nicht austauschbar und somit vor Kopien oder Zerstörung sicher.

Außerdem erzielen Kreative eine höhere und damit fairere Gewinnbeteiligung am Verkauf ihrer Werke. Denn bei jedem Verkauf wird die Vermögensübertragung auch in der Blockchain aufgezeichnet. Das ermöglicht den Kreativen, bei jedem weiteren Verkauf des NFT einen Prozentsatz des Verkaufspreises zu machen.

Risiko:

So positiv NFTs aus sozialer Sicht sind – aus Umweltgründen sind sie dennoch umstritten. Am Bekanntesten ist wohl die Untersuchung des Künstlers Memo Akten: Demnach verbraucht die Erstellung, die Versteigerung und der mehrfache Verkauf eines digitalen Kunstwerks mindestens 600 Kilogramm CO2, was insgesamt einem Flug mit Minimum sechs Flugstunden entspricht.

Allerdings beruhen diese Berechnungen größtenteils auf NFTs, die auf dem digitalen Blockchain-Netzwerk Ethereum gespeichert sind und einen Mechanismus namens "Proof of Work" (PoW) verwenden. Dieser führt zum unglaublich hohen Energieverbrauch des Netzwerks und damit auch der NFTs.

Mittlerweile werden die PoW-Blockchains zunehmend mit erneuerbaren Energiequellen betrieben. Laut einer Studie der Cambridge University stammen 39 Prozent aus grünen Quellen wie Wind oder Sonne. Andererseits arbeitet die Branche bereits an Lösungen: Die Krypto-Kunst etwa, die der WWF in seiner Kampagne beworben hatte, basierte auf der Kryptowährung Polygon, die nur ein Prozent der CO2-Emissionen einer Ethereum-Transaktion verbraucht.

Außerdem läuft Polygon auf dem sogenannten “Proof-of-Stake"-Mechanismus (PoS). Dieser hat einen weitaus geringeren Energieverbrauch. Beim PoS-Mechanismus werden die Nutzer*innen je nach der Menge der Coins, die sie derzeit besitzen, entschädigt. So wird die Rechenarbeit der Server verringert. Auch der NFT-Marktführer Ethereum möchte im Juni 2022 auf den PoS-Mechanismus umstellen. Dieser Wechsel könnte den Energieverbrauch von NFT um 99 Prozent senken, meinen Expert*innen.

Praxistipps:  

  • Kollaboriert mit Influencern oder prominenten Unterstützer*innen: Der Whistleblower Edward Snowden etwa sammelte durch die Versteigerung eines NFT mehr als 5,4 Millionen US-Dollar für die Organisation Freedom of the Press Foundation.  
  • Arbeitet mit NFT-Künstler*innen zusammen: Der digitale Künstler Beeple hat beispielsweise mit seinem Werk "Ocean Front" sechs Millionen US-Dollar Spendengelder für die Open Earth Foundation eingenommen.  
  • NFT als Marketing-Werkzeug für eure Non-Profit: Die britische Organisation Covid:aid hat ihr Logo als NFT versteigert. Eingebracht hat diese Aktion zwar verhältnismäßig wenig, auf sich aufmerksam gemacht hat die neu gegründete Organisation damit aber allemal.  

Kryptowährung: steuereffiziente Spendenmöglichkeit 

Laut dem Jahresbericht von The Giving Block stieg die Spendensumme durch Kryptowährung im Jahr 2021 um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Während die durchschnittliche Geldspende 128 US-Dollar betrage, sei zudem der Wert einer Spende von Kryptowährung etwa 82mal höher. Mit der zunehmenden Beliebtheit von Kryptowährungen öffnen sich immer mehr (internationale) Non-Profits für Spenden via Bitcoin und Co.: UNICEF, Sea Shepherd Deutschland, Save the Children, die internationale Hungerhilfsorganisation Food for Life, The Water Project oder die Leukämie- und Lymphomgesellschaft, um nur einige zu nennen.

Chance:
Ein Grund, der für Fundraising in Form von Kryptowährung spricht: Es ist eine der steuereffizientesten Spendenmöglichkeiten für potenzielle Geldgebende. Denn diese Art der Spende gilt als Eigentum, unterliegt also nicht der Kapitalertragsteuer und ist auch steuerlich absetzbar. Darüber hinaus sind Krypto-Spenden bei internationalen Transaktionen kosteneffizient, weil kostspielige Bankgebühren entfallen. Ein weiterer Vorteil für potenzielle Geldgeber*innen ist, dass die Transaktionen auf großen Blockchains transparent und öffentlich einsehbar sind.

Risiko:
Was bei NFTs der Fall ist, gilt auch für Kryptowährung: Allein die Währung Bitcoin benötigt 134 Terrawattstunden an Elektrizität. Einer der Gründe, warum Greenpeace im Jahr 2021 nach sieben Jahren erstmals wieder auf Bitcoin-Spenden verzichtet hat. Ein weniger radikaler Schritt wäre die Entscheidung, nur bestimmte, nachhaltigere Kryptowährungen als Spenden zu akzeptieren. Die Währungen Nano, Ripple, Cardano verbrauchen beispielsweise weniger Energie als Bitcoin. Auch Ethereum 2.0 will in Kürze eine umweltbewusstere Alternative anbieten.

Praxistipp:  
Nehmt euch etwas Zeit, um euch über die unterschiedlichen Kryptowährungen zu informieren und zu entscheiden, welche ihr annehmen wollt. Neben der Höhe des Energieverbrauchs können dabei auch die Transaktionsgebühren eine Rolle spielen: Die der Kryptowährung Polkadot beispielsweise sind deutlich geringer als die großer Anbieter wie Ethereum oder Bitcoin. Polkadot eignet sich daher besser für kleinere Beträge und ist so auch für Kleinspender*innen interessant.   

Gaming für den guten Zweck: Zusehen und spenden


Wir sind im letzten Jahr immer wieder darauf gestoßen, dass sich Spieleentwickler-Studios und die Branche vermehrt mit der Klimakrise auseinandersetzen und schauen, wie sie das bearbeiten können. – Christian Huberts, Projektleiter bei der Stiftung Digitale Spielekultur


Chance:
Die gemeinnützige Berliner Initiative gamesforest.club unterstützt Baumpflanzprojekte, andere Unternehmen wiederum setzen darauf, Themen wie Umweltschutz in Games erfahrbar zu machen. So soll das Spiel "Klim:S21" der Würzburger Gentle Troll Entertainment in Schulklassen vermitteln, wie man das Leben an verschiedene Klimafolgen anpassen könnte. Man kann etwa Hecken pflanzen, Pflanzenschneisen einbauen und mit einem Klick sehen, wie sich die Landschaft in den nächsten Jahrzehnten verändert und welche Auswirkungen das auf Bevölkerung oder den Tourismus hat.

"Spiele ermöglichen uns Selbstwirksamkeit, auch im Zusammenhang mit der Klimakrise", beschreibt Christian Huberts das Potenzial von Games, "wir sind der Held oder die Heldin, der/die dazu beitragen kann, die Klimakrise zu lindern. Es ist eine positive Erfahrung und kann vor allem jungen Menschen helfen, auch im richtigen Leben ins Handeln zu gelangen."

Zudem können Games von Non-Profits dazu genutzt werden, mit potenziellen Unterstützer*innen in Kontakt zu treten und Spenden zu sammeln. Das Zauberwort, das spätestens seit der Covid-19-Pandemie in aller Munde ist heißt Livestreaming: Über Youtube Gaming Live, Facebook Gaming und allen voran Twitch mit über 15 Millionen aktiven Usern pro Tag können Spieler*innen kostenlos beliebige Games spielen.  

Die Zusehenden zahlen für das Vergnügen – und können vom Gamer beispielsweise über einen speziellen PayPal.Me-Link eingeladen werden, für eine bestimmte Sache zu spenden.

Wie das funktioniert, zeigt eine Spendenaktion der UNO-Flüchtlingshilfe: Diese hat Anfang März 2022 über die Plattformen Twitch und YouTube zum Spielen für Betroffene der Ukraine-Krise aufgerufen. Um an der Aktion teilzunehmen, sollten Spieler*innen während des Livestreams mit dem Hashtag #NothilfeUkraine auf die Aktion aufmerksam machen. Die generierten Spenden gingen an die UNO-Flüchtlingshilfe e. V., die damit die humanitäre Hilfe für die geflüchteten Familien und Menschen aus der Ukraine gewährleistete.

Risiko:
Nicht jedes Spiel eignet sich als Fundraising-Tool. Bei der Aktion der UNO Flüchtlingshilfe waren beispielsweise Games ausgeschlossen, die Gewalt beinhalten. Schließlich sollte die Aktion Aufmerksamkeit für die Ukraine-Krise schaffen und nicht Brutalität fördern.

Praxistipps:  

  • Informiert euch gut über die Szene und eure Zielgruppe: Identifiziert die Games, die potenzielle Geldgebende oder Unterstützer*innen eurer Sache spielen und die zu euch passen.
  • Zusammenarbeit: Kollaboriert mit Influencern der Gaming-Szene, um die größtmögliche Aufmerksamkeit für euer Anliegen zu gewinnen

Technologien bieten spannende Möglichkeiten, neue Geldgeber zu finden oder auf innovativem Weg Fundraising zu betreiben. Dabei geht es nicht darum, auf jeden Trend zu setzen. Wählt vielmehr die Methode, die am besten zu eurer Non-Profit und eurer Mission passt. 

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