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Immer wieder schließen Förderrichtlinien die Anschlussfinanzierung eines Projekts aus. Es gibt dennoch Wege, bei Stiftungen erneut einen Antrag zu stellen oder ein Projekt von mehreren Stiftungen fördern zu lassen. Fünf Tipps vom Fundraising-Experten Michael Teffel.  

Im Idealfall werden gesellschaftlich relevante, wirkungsvolle Projekte dauerhaft finanziert. Die Realität sieht leider anders aus: Meist sind die Förderzeiträume begrenzt. Viele junge Projekte benötigen aber schon alleine mehrere Jahre, um Strukturen aufzubauen, die Zielgruppe zu erreichen oder Kooperationspartner*innen zu überzeugen. Eine reine Anschubfinanzierung reicht da oft nicht aus.

Häufige Gründe, weshalb Stiftungen Projekte nicht dauerhaft unterstützen:

  • Sie verfügen selbst nur über begrenzte Mittel.
  • Sie wollen regelmäßig neue Zielgruppen bzw. Träger ansprechen, um sich neuen Entwicklungen anzupassen und dadurch gegebenenfalls mehr Wirkung zu entfalten. 
  • Nur wenn Geld in Teilen zur freien Verfügung steht, können Stiftungen schnell auf aktuelle Entwicklungen wie Corona oder den Ukrainekrieg reagieren.
  • Eine Abgrenzung zum Staat ist ihnen wichtig. Stiftungen, die ein Projekt dauerhaft unterstützen, riskieren, gefragt zu werden, warum sie Aufgaben der öffentlichen Hand übernehmen.
  • Stiftungen sehen sich oft als Anschubfinanzierende, um innovative Ansätze bei der Implementierung zu unterstützen, die noch nicht von der öffentlichen Hand gefördert werden. 

Die gute Nachricht für Non-Profits: Es gibt dennoch immer wieder Wege, um erneut einen Förderantrag stellen zu können.

Fünf Tipps, wie die Anschlussfinanzierung gelingen kann 

  1. Präsentiert euer Projekt aus einer anderen Perspektive
    Überlegt euch, aus welcher anderen/neuen Perspektive ihr euer Projekt beschreiben könnt! So bedient ihr unterschiedliche Stiftungen und entwickelt euer Projekt ggf. auch gleich inhaltlich weiter. 

    Praxisbeispiel: Ein Projekt im Bereich Übergang Schule-Beruf könnte auch als Integrationsprojekt im Stadtteil gefördert werden, wenn beispielsweise junge Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund angesprochen werden. 
  2. Teilt euer Projekt in Pakete auf
    Ihr könnt in eurem Projekt auch Teilpakete definieren und diese einzeln an Stiftungen herantragen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, euch explizit die Entwicklung einzelner Projektteile fördern zu lassen und in einem zweiten Schritt deren Implementierung im Feld.

    Praxisbeispiel: Bei einem berufsbildenden Projekt soll ein Peer-to-Peer-Trainer*innen-Pool aufgebaut werden. Die Ausbildungsphase, spezielle inhaltliche Vertiefungen oder die regelmäßige kollegiale Beratung können einzeln bei einer oder mehreren Stiftungen beantragt werden. 
  3. Erweitert die Projektziele und/oder die Zielgruppe
    Manchmal erschließt sich im Laufe eines Projekts eine neue Zielgruppe oder es rücken neue Bedarfe in den Vordergrund, die vorher nicht gesehen wurden. Auch damit steigt die Chance auf eine erneute Förderung, da eine Weiterentwicklung aufgezeigt werden kann.

    Praxisbeispiel: Bei dem bereits erwähnten berufsbildenden Projekt wird deutlich, dass intergenerationelle Aspekte wie zum Beispiel Mentoring die Jugendlichen optimal unterstützen. Ein neues Ziel könnte es sein, mit Hilfe des Ansatzes des intergenerationellen Lernens junge Menschen bei der Berufsorientierung oder beim Einstieg in das Berufsleben zu begleiten. Dadurch rücken Stiftungen in den Fokus, die auch mit Senior*innen oder im Bereich Generationendialog/Mentoring fördern. 
  4. Denkt über Skalierungsmöglichkeiten nach
    Überlegt, ob sich euer Ansatz auf einen anderen Sozialraum (Stadtteil, Stadt, Bundesland) übertragen lässt. Dabei entstehen vielleicht neue Partnerschaften, die euer Projekt weiter voranbringen. Auf jeden Fall erschließt ihr euch neue regionale Förderoptionen.

    Praxisbeispiel: Unser Beispielprojekt funktioniert in einer Stadt gut und kann beispielsweise auf ein ganzes Bundesland übertragen werden. Dazu werden Kooperationen mit Unternehmen, Kammern oder Ausbildungsverbünden eingegangen, um in die Fläche zu kommen. 
  5. Schafft die nötigen internen Strukturen
    Generell ist es wichtig, für klare Zuständigkeiten innerhalb eurer Organisation zu sorgen. Wer ist dafür verantwortlich, passende Förderstiftungen bzw. Ausschreibungen zu recherchieren oder Anträge zu schreiben? Wer besucht möglicherweise eine Fortbildung zum Thema Fundraising?

    Stellt außerdem sicher, dass es ein systematisches Wissensmanagement gibt. Das muss nicht aufwändig sein – für den Anfang reicht eine einfache Excel-Tabelle. Ziel ist es, als Organisation in der Lage zu sein, immer wieder Förderoptionen zu recherchieren und regelmäßig Anträge zu stellen. 

Was auch noch wichtig ist: 

  • Regelmäßige Kommunikation mit Geldgebenden ist sehr wichtig. Stiftungen, die von einer Non-Profit überzeugt sind, fördern diese häufig mehrmals. 
  • Es muss innerhalb eures Projekts eine Person geben, die sich mit dem Thema Geld beschäftigt. Denn nur mit Geld kommt ihr an Geld! 
  • Denkt bereits während das Projekt läuft darüber nach, wo weitere Drittmittel herkommen könnten und versucht euch möglichst breit aufzustellen (unterschiedliche Geldquellen), falls einzelne Fördernde aussteigen. 
  • Skizziert bereits in eurem ersten Förderantrag mögliche Perspektiven für eine inhaltliche Weiterentwicklung oder Fortsetzung. Ihr zeigt damit, dass ihr langfristig denkt und möglicherweise trefft ihr damit einen Punkt, den eine Stiftung spannend findet und langfristig unterstützen möchte.   
  • Stiftungen wollen mit ihrer Förderung Sichtbarkeit für sich und ihre Themen erreichen. Mit einer guten Öffentlichkeitsarbeit für eurer Projekt (Pressespiegel, Logos, Tags, Verlinkung, etc.) zeigt ihr euren aktuellen und potenziellen zukünftigen Förder*innen, dass die Unterstützung eures Projekts eine gute Investition ist.  
  • Schafft ein gemeinsames Verständnis, welche Wirkung ihr euch von eurem Projekt versprecht und wie ihr diese messt. Wenn ihr eurem/eurer Förderpartner*in nachweisen könnt, dass ihr mit dem Projekt die intendierte Wirkung erzielt, erhöhen sich die Chancen für eine erneute oder fortgesetzte Förderung.  
  • Lasst euch nicht vom Innovationsbegriff einschüchtern. “Innovativ” muss nicht immer “komplett neu” bedeuten. Es kann auch heißen, dass das gleiche Angebot an einem neuen Ort oder für neue Zielgruppen stattfindet.  

Experte: