Praxistipp

Kooperation mit Durchblick: Eine Vision fürs Gemeinsam-Wirken-Projekt entwickeln

Die Vision ist gewissermaßen der Leuchtturm für alle Kooperationspartner*innen | Unsplash, Mario Losereit

Für eine gelungene Collective-Impact-Initiative braucht es ein gemeinsames Ziel, das ihr langfristig erreichen wollt. Die folgende Anleitung hilft euch dabei, eine Vision zu erarbeiten.

Eine Vision beschreibt kurz und prägnant, wie die Gesellschaft und/oder die Umwelt idealerweise aussehen soll. Abhängig vom Ansatz, den ihr mit eurer Gemeinsam-Wirken-Initiative verfolgt, bezieht sich die Vision entweder auf einen Stadtteil, auf eine Region, auf das Land oder hat sogar eine globale Perspektive. Die Vision ist das positive Gegenbild zu den gesellschaftlichen Herausforderungen, die ihr mit eurer Kooperation adressiert. Sie soll innerhalb eines längeren Zeitraumes von zirka zehn bis 20 Jahren erreicht werden. 

Wozu braucht es eine Vision?

Die Vision ist gewissermaßen der Leuchtturm auf der Gemeinsam-Wirken-Reise. Auch bei Kurskorrekturen bleibt sie als Orientierungspunkt bestehen. Die Vision hilft dabei, auf das übergeordnete Ziel fokussiert zu bleiben, wenn es während des Prozesses Veränderungen gibt und Anpassungen notwendig werden. Und gerade bei Kooperationen, wo oft sehr unterschiedliche Akteure mit verschiedenen Ansätzen am Tisch sitzen, hilft es, sich auf ein gemeinsames Ziel hin auszurichten.

Die Vision eines Gemeinsam-Wirken-Verbunds, der sich in einem Stadtteil darum kümmert, Jugendliche auf dem Weg von der Schule in den Beruf zu unterstützen, könnte beispielsweise sein, dass die Jugendarbeitslosigkeit im Stadtteil gesunken ist.

Positiver und etwas breiter formuliert, könnte die Vision aber auch lauten, dass die Jugendlichen im Stadtteil nicht nur in den Job gekommen sind, sondern, dass "alle jungen Menschen im Quartier die gleichen und Bildungs- und Entwicklungschancen haben und dadurch auch die Chance auf selbstbestimmte Teilhabe am Leben".

Im Rahmen des Gemeinsamen-Wirken-Ansatzes wird die Formulierung der Vision aber noch um einen Schritt erweitert. Wir betrachten nicht nur einen Teil der gesellschaftlichen Herausforderungen – zum Beispiel die Jugendarbeitslosigkeit – sondern treten nochmal einen Schritt zurück und betrachten das System beziehungsweise das Umfeld, innerhalb dessen das Problem auftritt.

Die Vision bezieht sich dann sowohl auf das gesellschaftliche Problem auf Ebene der Zielgruppe, als auch auf das Umfeld, in dem dieses Problem entsteht oder auch weiterbesteht. In unserem Beispiel ließe sich die Vision zum Beispiel erweitern um: "Dafür arbeiten Akteure aus allen drei Sektoren bedarfs- und wirkungsorientiert zusammen."

Anleitung: Eine gemeinsame Vision erarbeiten

Eine gemeinsame Vision ist Orientierungspunkt und gleichzeitig Grundpfeiler für die Kooperationsarbeit. Daher solltet ihr auf das Erarbeiten eurer Vision besonderes Augenmerk legen. Der Erarbeitungsprozess ermöglicht den beteiligten Personen und Institutionen ein gemeinsames Verständnis darüber, was ihnen wichtig ist und was sie mit ihrer gemeinsamen Arbeit erreichen wollen.

Der Prozess dient also nicht nur dazu, als Ergebnis eine Vision zu verschriftlichen, sondern vor allem dafür, eine gemeinsame Identität im Verbund zu schaffen und gegenseitiges Verständnis und Vertrauen zwischen den Partner*innen zu erzeugen. Eine gut formulierte Vision steigert außerdem Energie und Kreativität bei allen Beteiligten!

Damit sich die Ziele aller Verbundpartner*innen darin wiederfinden, sollten bei der Erarbeitung alle relevanten Personen und Institutionen vertreten sein. Dazu gehören, allen voran, auch die Zielgruppen! Falls notwendig, können auch externe Stakeholder oder Expert*innen hinzugezogen werden.

Um eine Antwort auf die Frage "Was wollen wir gemeinsam erreichen?" zu erarbeiten, bietet sich beispielsweise ein Workshop an, in dem ihr wie folgt vorgeht:

1.   Die Teilnehmenden erarbeiten zunächst ihre eigenen Visionen bzw. die Vision der Institutionen, die sie vertreten. Dazu können verschiedenste kreative Techniken genutzt werden: Wörter, Bilder, kleine gespielte Szenen etc.

2.   Die Teilnehmenden stellen daraufhin ihre Visionen in gemischten Kleingruppen vor, finden Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Inspirierendes und Kontroverses, diskutieren darüber und erarbeiten eine gemeinsame Vision in der Kleingruppe.

3.   Dieser Prozess wird in der gesamten Gruppe wiederholt: Auf Basis der Visionen aus den Kleingruppen wird im Plenum diskutiert und eine gemeinsame Vision erarbeitet.

4.   Gegebenenfalls müssen oder möchten einige Teilnehmende den erarbeiteten Entwurf zunächst zurück in die eigene Institution tragen, um sich dort Feedback und/oder die Zustimmung einzuholen und diese in den weiteren Prozess mit einzubringen.

5.   Dabei solltet ihr darauf achten, dass es genügend, aber nicht zu viele Abstimmungsschleifen gibt, bis eine finale Fassung vorliegt, die alle Beteiligten mittragen und unterstützen können.

Auf Basis der gemeinsamen Vision werden eine gemeinsame Wirkungslogik, die gemeinsame Strategie und die gemeinsamen Handlungsschritte erarbeitet.

Hier findet ihr eine Vorlage, um eure Vision zu erarbeiten: 

Tipp: Die Vision kommunizieren

Habt ihr eine gemeinsame Vision erarbeitet, solltet ihr diese auch aktiv für die Außendarstellung eurer Kooperation nutzen. Wie auch ein Logo ist die Vision Teil der "Marke" eures Verbundes. Denn nicht nur nach innen, sondern auch nach außen kann eine gute Vision eine motivierende Wirkung entfalten. Sie kann beispielsweise dabei helfen, neue Verbundpartner*innen zum Mitmachen motivieren oder Geldgeber*innen für eure Arbeit interessieren. Kommuniziert daher eure Vision transparent, zum Beispiel auf der Webseite und im Austausch mit Stakeholdern.

Nicht vergessen: Die Vision regelmäßig unter die Lupe nehmen

Ebenso wichtig wie die Erarbeitung der Vision ist es, diese gelegentlich einer kritischen Überprüfung zu unterziehen – etwa im Vorfeld von Strategieprozessen oder der Jahresplanung. Wenn ihr in eurer Kooperation zum Beispiel infolge einer aktualisierten Bedarfs- und Umfeldanalyse die strategischen Ziele neu definiert, kann das gegebenenfalls auch dazu führen, dass die Vision anpasst oder zumindest hinterfragt werden muss.

Zwei Fragen zum Aktualitäts-Check für die Vision können sein:

  • Ist der Bedarf, auf den sich die Vision bezieht, noch vorhanden?
  • Empfinden die Verbundpartner*innen die Vision noch als sinnstiftend?

Tipps zum Formulieren einer gemeinsamen Vision

  • Eine gute Vision zeichnet ein möglichst konkretes und positives Bild der Zukunft, für das sich sowohl die umsetzenden Akteure selbst als auch ihre Stakeholder begeistern können.
  • Die Vision sollte breit genug formuliert sein, dass sich viele Akteure damit identifizieren, als auch klar genug, um zu motivieren.
  • Bei der Formulierung solltet ihr nicht nur das gesellschaftliche Problem, sondern auch die Rolle des Umfelds – beziehungsweise des Systems – in den Blick nehmen. Die Vision sollte klar, ambitioniert, optimistisch, aber doch erreichbar sein, wenn alles gut läuft.
  • Die Vision sollte kurz und knackig formuliert sein, damit sie gut hängenbleibt.

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