Direkt zum Inhalt wechseln

Die wirtschaftliche Lage der Ackerpause

Die Ackerpause ist als Projekt von Acker e. V. gestartet. Gab es neben der gesellschaftlichen Vision auch eine wirtschaftliche Motivation – wollte man zum Beispiel die Gemüseackerdemie für Kinder und Jugendliche damit finanzieren?  

[00:00:00] – Julian Siegmann, AckerCompany GmbH

Auf finanzieller Ebene war nicht unbedingt das Ziel, dass wir sagen, wir wollen etwas entwickeln, was langfristig dem Verein unbedingt so und so viel Geld mit einbringt. Dass wir das jetzt eingeplant hätten, wir müssen jetzt die Ackerpause machen, damit sich das Bildungsprogramm der Gemüseackerdemie trägt. Sondern die Denke war von Anfang an schon, dass das Bildungsprogramm der Gemüseakademie muss sich selbständig finanziell tragen können und wenn wir was Neues machen wie die Ackerpause, dann muss sich das auch langfristig finanziell tragen können, sonst haben wir was falsch gemacht. Das ist schon so gewesen, dass wir eigentlich immer, seit Anfang an, war immer, waren wir kurz davor, dass es an die Wand fährt.

Aber in dem Moment, wo diese Zusage kam, für dieses große Firmenevent mit 4000 Mitarbeitern in Österreich, wo wir dann mit Bussen mit AckerCoaches hingefahren sind und dann Workshop-Stände gehabt haben und dieses Firmenevent eben bespielt haben. Da wusste ich, aha, ok, es gibt tatsächlich auch Zahlungsbereitschaft, die ein bisschen höher ist für bestimmte Dinge und ab dem Moment hatte ich wieder ein besseres Gefühl und war da zuversichtlich, dass wir da schon auf dem richtigen Weg sind.


Kostentreiber

Es gibt also Anzeichen, dass das Angebot der Ackerpause auf Nachfrage bei Unternehmen trifft. Doch sie ist immer noch in den roten Zahlen. Das ist nicht ungewöhnlich für ein junges Unternehmen. Ein Blick auf die Ausgaben: Im Jahr 2019 veranstaltet die Ackerpause überregional bezahlte Workshops für Mitarbeitende in Unternehmen zu den Themen Gemüseanbau und gesunde Ernährung. Die Workshops werden von Honorarkräften begleitet. Das Team der Ackerpause, bestehend aus Julian und einer Mitarbeiterin, besorgt Hochbeete, Samen und Pflanzen.

Hier Julian zu Auftragslage und Kosten der Ackerpause in den ersten Jahren, eingeordnet von unseren Expert*innen: 

[00:00:01] – Julian Siegmann, AckerCompany GmbH

2018 war das Pilotjahr mit 5 Kunden. Und dann kam 2019, und da hatten wir insgesamt 20 Kunden, die zum Teil aber auch Team-Events bei uns einfach nur gebucht hatten und gar nicht die große Office-Gardening-Lösung und da hatten wir eben auch eine Mitarbeiterin. Das war natürlich die Hauptkostenposition, waren die Kosten für diese eine Mitarbeiterin, und eben Honorare für die AckerCoaches, die vor Ort bei den Unternehmen dann die Workshops durchgeführt haben. Das waren die Haupt-Kostenpositionen, die wir hatten. [00:00:30] – Sabine Wiesmüller, Zeppelin Universität Was mir auf jeden Fall aufgefallen ist, ist, dass sie am Anfang mit Honorarkräften arbeiten.

[00:00:35] – Christopher Köhler, Zeppelin Universität

Absolut smarter Move muss man sagen! Weil sie dadurch natürlich noch nicht so hohe gebundene Fixkosten am Anfang erzeugen, obwohl sie noch gar nicht so genau wissen, welches Angebot sie sozusagen überhaupt an die Zielgruppe bringen können. Weil letztendlich bringt es auch einem Sozialunternehmen natürlich nichts, immens hohe Kosten zu produzieren und dann auf denen am Ende sitzen zu bleiben. Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, dass du dir Gedanken über deine Kosten machst. Am Anfang eines Projektes kann es sinnvoll sein, langfristige Kosten möglichst zu vermeiden.

[00:01:07] – Sabine Wiesmüller, Zeppelin Universität

Beispielsweise bei den Personalkosten kannst du dich dafür entscheiden, eine Person fest anzustellen oder aber punktuell mit Personen zu arbeiten, was dir Kosten spart. Auf der anderen Seite ist das Gleiche möglich bei den Raumkosten. Du kannst auf der einen Seite ein Büro mieten oder dich dafür entscheiden, bestimmte Orte nur punktuell zu nutzen und dadurch Kosten zu sparen.


Die Finanzierung

Als Projekt von Acker e. V. ist die Ackerpause zunächst vom Verein finanziert. Doch die Kosten und damit das finanzielle Risiko wachsen mit dem Projekt. Die Einnahmen aus den Workshops decken die Kosten noch nicht. Julian und sein Team müssen sich etwas überlegen. 

Transkript anzeigen

[00:00:01] – Julian Siegmann, AckerCompany GmbH

Ja, es gab so ein Paar Randbedingungen, die am Ende zum dem Weg der GmbH geführt haben und wir dort Impact Investoren gesucht haben. Das heißt, uns war wichtig, dass wir das finanzielle Risiko nicht im Verein haben, also es muss jemanden geben, der Mittel bereitstellt, um ein Risiko einzugehen. Der aber auch gleichzeitig bereit ist, nicht nur rein Rendite getrieben zu denken, sondern das Ganze als Impact Investment versteht. Also nicht denkt, dass er jetzt 100.000 Euro reinsteckt und nach fünf Jahren macht er seinen Exit mit einer Million. Sondern, dass es ein kontinuierliches Engagement ist, was eine gewisse Rendite für sein Risiko ihm bringt, aber neben dem monetären Rendite-Ertrag auch einen Impact eben bietet.

Um die Investoren zu überzeugen, gab es im Prinzip genau zwei Geschichten, die wir gut transportieren mussten: Das eine ist die Wirksamkeit, die das Programm hat. Und das andere ist, dass es auch tatsächlich ein funktionierendes Geschäftsmodell ist, mit einer Erfolgsaussicht in wirtschaftlicher Hinsicht. Und darauf haben wir uns konzentriert. Das Wirkmodell, das wir auch von Ackerdemia haben und anwenden, haben wir von Anfang an auch schon immer auf die Ackerpause transferiert und eben das dargestellt, wie dieses Wirkungsmodell funktioniert. Und eben die andere Sache, einen klassischen Business Plan auszuformulieren, dass wir in der Lage sind, mit unserem Netzwerk, das wir haben, deutschlandweit eben die Ackerpause anzubieten. Das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Faktor gewesen, um die Investoren am Ende zu überzeugen, dass wir eben die Ackerpause nicht als stand-alone Lösung verstehen, die alles sich von Neuem aufbauen muss, sondern, dass wir die Möglichkeit haben, an die Strukturen und Erfahrungen von Ackerdemia anzuknüpfen und insbesondere unser deutschlandweites Netzwerk war da glaube ich ein sehr großer Pluspunkt an dieser Stelle.

[00:02:03] – Sabine Wiesmüller, Zeppelin Universität

In diesem Video kann man eigentlich sehr gut erkennen, dass sie sich mit verschiedenen Finanzquellen nochmal befasst haben. Und sie haben ja sehr richtig erkannt, dass ein klassischer Investor sehr stark profitorientiert arbeitet. Und ich denke bei der Entscheidung, dass sie sich jemand suchen, der das gleiche Ziel verfolgt – eben Wirkung in der Gesellschaft zu erzielen – haben sie einen sehr guten Weg eingeschlagen. Auch wenn du dich vielleicht nicht dafür entscheidest, einen Impact Investor mit in dein Projekt einzubringen, kann es sehr sinnvoll sein, dass Du dich dennoch über externe Finanzquellen informierst.

[00:02:30] – Christopher Köhler, Zeppelin Universität

Wichtig ist hierbei, dass Du dich aktiv mit diesen Finanzierungsquellen auseinandersetzt und im besten Falle vor und Nachteile aufschreibst und sie vielleicht mit deinem Team diskutierst. 

Was ist ein Impact Investment?
Beim Impact Investment erhält der oder die Geldgebende zusätzlich zur finanziellen Rendite eine soziale oder ökologische „Rendite“ – soziale oder ökologische Wirkung (Englisch: impact). Diese muss das soziale Unternehmen möglichst konkret belegen.

Die Suche nach Investoren, will richtig angegangen werden. Eine tolle Hilfestellung bietet hier das folgende englischsprachige Toolkit:

Social Investment Toolkit

Du hast die Ackerpause aus wirtschaftlicher Perspektive kennengelernt.

Es sieht gut aus für die Ackerpause Ende 2019. Sie hat sich vom Projekt zur GmbH gemausert, das nächste Jahr scheint finanziell gesichert. Doch die Pandemie steht kurz bevor! Sozialunternehmerisches Handeln beinhaltet auch, Risiken zu meistern und auf unerwartete Veränderungen zu reagieren. Erfahre nun, wie Julian und sein Team auf die Corona-Krise reagiert haben.