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Kryptos als Spendenquelle für NPOs

Sea-Watch e. V. wirbt sehr erfolgreich Kryptospenden ein. Dabei nutzen sie ihre Präsenz auf Social Media, akzeptieren eine Vielzahl von Währungen und erhalten besonders von einer jungen, systemkritischen Zielgruppe Zuspruch, die sich mit den Kryptohalter*innen stark überschneidet.

Warum nutzt Sea-Watch Kryptos? Kryptowährungen sind kein Nischenphänomen mehr. Einst galten sie als finanzielle Spielerei von jungen Menschen. Heutzutage halten verschiedenste Bevölkerungsgruppen Kryptowährungen, die Anzahl hat sich in den letzten fünf Jahren auf fast fünf Millionen Menschen verdoppelt. Dabei liegen erhebliche Werte im Kryptomarkt – allein Bitcoin hat einen Marktwert von 1 Billion US-Dollar. Und die Zukunft verspricht nur weiteres Wachstum, da Kryptos das Potenzial haben, sich im Online-Werttransfer zu etablieren.

Allein diese Zahlen machen Kryptos zu einem interessanten Spendenmarkt. Hinzu kommt, dass Kryptowährungen ein deutlich höheres Spendenpotential haben! In den USA fallen Kryptospenden mit einer durchschnittlichen Spendenhöhe von 11.000 US-Dollar im Schnitt zehnmal höher aus als traditionelle Online-Spenden. Zudem spenden rund 45% der Kryptowährungsbesitzer*innen jährlich etwa 1.000 US-Dollar in Kryptos und es können jüngere Bevölkerungsgruppen erreicht werden, die sonst eher selten spenden.

Kein Wunder also, dass Sea-Watch sich dieser Währung zugewandt hat. Mit Blick auf das Potential von Kryptos sollten NPOs diese Chance im Fundraising dringend ergreifen.

Der Hintergrund von Kryptowährungen

Im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2008 suchte man eine Alternative zum Geldsystem mit Banken. Kritik an dem Bankensystem war, dass sie Zinsen günstig halten, Geld drucken, die Inflation anheizen und somit Privatpersonen schrittweise enteignen. Geld sollte daher demokratisiert werden. Auf Basis dieser Vision entstand die populäre Kryptowährung “Bitcoin” eine Art Onlinegeld, welches dezentral und ohne die Kontrolle einer dritten Partei oder einer Autorität existieren kann.

Technisch möglich sind Kryptowährungen durch die Technologie “Blockchain”. Diese ist ein Resultat jahrzehntelanger akademischer Forschung und Pionierarbeit im Bereich der Informatik, welche in dem Arbeitspapier von Satoshi Nakamoto – dem/der Erfinder*in des Bitcoin – ihren Höhepunkt fand. Neben Bitcoin gibt es viele weitere, sich technisch unterscheidende Blockchain-Technologien mit eigenen Kryptowährungen.

  • Bitcoin (BTC): Als bekannteste digitale Währung hat Bitcoin eine Marktkapitalisierung von 834,4 Milliarden US-Dollar.
  • Ethereum (ETH): Ethereum ist eine Plattform für dezentrale Anwendungen (dApps) und intelligente Verträge (Smart Contracts). Die interne Währung Ether ist 305,1 Milliarden US-Dollar wert.
  • Tether (USDT): Tether ist eine stabile Währung (Stablecoin), die an den US-Dollar gekoppelt ist, mit einer Marktkapitalisierung von 94,9 Milliarden US-Dollar.
  • Binance Coin (BNB): Die hauseigene Währung der Binance-Plattform hat einen Wert von 47,6 Milliarden US-Dollar.
  • Solana (SOL): Solana ist ein Blockchainprojekt für dezentrale Finanzen und Smart Contracts mit eigener Währung, die 41,2 Milliarden US-Dollar wert ist.
  • Ripple (XRP): Im Ripple-Netzwerk für grenzüberschreitende Zahlungen verwendet, hat die Währung XRP eine Marktkapitalisierung von 31,4 Milliarden US-Dollar

Im Kurs versuchen wir, möglichst auf Fachbegriffe zu verzichten. In manchen Fällen ist dies aber nicht möglich, weswegen hier die wichtigsten Begriffe mit ihrer Bedeutung notiert sind:

Wallet – digitale Brieftasche, welche die Verwaltung von Kryptowährungen ermöglicht
Fiat-Währungen – traditionelle Währungen wie Euro oder Dollar
Public-Key – Adresse der Wallet für den Geldtransfer, ähnlich einer IBAN
Private-Key – digitaler Schlüssel zum Zugriff auf die Wallet, ähnlich des Passworts zum Bankkonto

Chancen von Krypto(-spenden)

Im Fundraising ist die Diversifizierung der Einnahmequellen zentral. Kryptowährungen stellen eine bislang ungenutzte Quelle dar, die Potential für zusätzliche Einnahmen von anderen Zielgruppen hat.

Jonas Gantenbein – Bank Frick

Kryptospender*innen sind für Non-Profits interessant, denn sie spenden mehr und häufiger als traditionelle Spender*innen. Betrachtet man Kryptonutzer*innen als Spendenzielgruppe, kann man grob zwei Gruppen unterscheiden:

1. Menschen, die Kryptowährungen als Geldanlage sehen und
2. Menschen, die Kryptos aus ethischer Überzeugung halten.

Letztere Gruppe ist häufig jung, technikaffin und politisch eher links eingestellt. Einige von ihnen sind durch Kryptos zu sehr viel Geld gekommen und möchten mit diesem Geld auch etwas Gutes tun. Über die Möglichkeit, Kryptos direkt zu spenden, erreicht man diese Zielgruppe viel besser. Denn sie möchte ihr Geld nicht aus Krypto abziehen, da sie von dem Mehrwert der Blockchain überzeugt ist und Banken unter Umständen ablehnt.

Aber auch für Organisationen, die eher klassische Werte oder Ziele vertreten, sind Kryptos interessant. Denn Kryptonutzer*innen sind mittlerweile so divers wie die Tätigkeiten und Visionen von NPOs.

Die Blockchain-Technologie, die die Basis für alle Kryptowährungen ist, ermöglicht volle Transparenz bzgl. der Transaktionen auf einer digitalen Krypto-Geldbörse (Wallet). Stellt eine Non-Profit ihre Krypto-Adresse (Public-Key) ins Netz, kann jede*r über entsprechende Webseiten nachverfolgen, welche Werte wann und von welcher Wallet ein- und abgegangen sind. Damit ist volle Transparenz gegenüber Spender*innen gewährleistet. Das schafft Vertrauen.

Gleichzeitig kann auf der Blockchain anonym gespendet werden. Möglich ist dies dadurch, dass bei einer Transaktion nur der Public-Key der Spendenden auf der Blockchain notiert wird. Solange der Public-Key nicht anderweitig mit einem Namen in Verbindung gebracht wird, sind Spender*innen nicht nachverfolgbar. Das ist etwa bei der Unterstützung von regierungskritischen Organisationen in Autokratien relevant.

  • Internationaler Geldtransfer: sicher, schnell und günstig
    Mit Kryptowährungen kann Geld sicher und innerhalb von Sekunden rund um den Globus versendet werden. Die üblicherweise hohen Kosten des internationalen Geldtransfers fallen dabei nicht an. Auch Gefahren des Bargeldtransfers z.B. in Risikogebieten können durch Kryptowährungen umgangen werden. Falls deine NPO also international tätig ist, könnt ihr leichter internationale Spenden empfangen und diese in andere Länder versenden.
  • Schutz vor Hyperinflation
    Viele Währungen sind nicht so stabil wie der Euro oder der Dollar. In einigen Regionen der Welt haben Menschen und Hilfsorganisationen mit zwei- oder dreistelligen Inflationsraten zu kämpfen. In diesen Fällen kann Bitcoin verwendet werden, um die Kaufkraft stabiler zu halten (Arbeitspapier der EZB).
  • Alternative zum Bankkonto
    Weltweit haben 2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu einem Bankkonto. Für diese Menschen stellen Kryptowährungen eine innovative Chance dar.

Indem ihr die Möglichkeit schafft, Kryptospenden anzunehmen, investiert ihr in die Zukunft eurer Organisation. NPOs sollten sich frühzeitig in diesem Bereich positionieren, um neue Zielgruppen für sich zu gewinnen.  

Philipp Stoll – BITCOIN4GOOD

Risiken von Krypto(-spenden)

Fehlendes technisches Verständnis stellt im Bereich Krypto das größte Risiko dar. Die Technologie ist nicht selbsterklärend. Fehler im Umgang können zum Verlust deiner Kryptos oder zu Steuerbetrug führen.

Es ist hilfreich, wenn du grundlegend verstehst, wie Kryptos funktionieren. Du musst aber kein Krypto-Nerd werden, um Kryptospenden sammeln zu können. Es gibt Möglichkeiten, um mit wenig Know-how Kryptospenden einzuwerben. Im Verlauf des Kurses gehen wir auf diese Möglichkeiten und die wichtigsten Stolpersteine ein.

Das wahrscheinlich am heißesten diskutierte Thema im Krypto-Universum ist der Schutz vor Hacking und Betrug. Denn sind diese erfolgreich, sind deine Kryptowerte im schlimmsten Fall weg.

Das hört sich erstmal abschreckend an. Wenn du dir aber ins Gedächtnis rufst, dass bestimmt jede*r im Verlauf des Lebens einmal mit Bargelddiebstahl oder Kreditkartenbetrug Bekanntschaft macht, relativiert sich das Risiko. Außerdem kann das Risiko mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen erheblich gesenkt werden. Tipps erhältst du im Kurs.

Es passiert leider immer wieder, dass die Zugänge zu Wallets verloren gehen. Gründe dafür sind meist, dass Passwörter oder die Technik verloren gehen oder die Technik (Soft- bzw. Hardware), die die Zugänge enthält, versagt und die Backups nicht nutzbar sind. Wenn eine Wallet selbst gehalten wird, können die Zugänge dann nicht wiederhergestellt werden und die Kryptowerte sind und bleiben verloren.
Außerdem kann es zum Verlust durch Falschüberweisung kommen, da Transaktionen nicht rückgängig gemacht werden können.

Kryptowährungen schwanken in ihrem Wert sehr stark. Diese Schwankungen sind mit Schwankungen am Aktienmarkt zu vergleichen. Im letzten großen Bitcoin-Crash verlor der Bitcoin ca. 70% seines Werts. Seitdem hat der Kurs ein neues Allzeithoch erreicht. Im Kurs gehen wir daher auch darauf ein, wie du durch besonnenes Handeln dieses Risiko vermindern kannst.

Was passiert, wenn niemand die Möglichkeit nutzt, an eure Organisation in Kryptowährungen zu spenden? Das könnte als weiteres Risiko angesehen werden. Bei einem iterativen Vorgehen fallen zunächst aber überschaubare Aufwände an. Eine Wallet ist – abhängig von der gewählten Form – schnell aufgesetzt und die Spendenmöglichkeit zügig implementiert. Werden Einnahmen generiert, können Sicherheitsmaßnahmen und weitere rechtliche Absicherungen erfolgen.

Und jetzt zu euch!


Fachbegriffe nachschlagen kannst du hier:

Die Grafiken auf dieser Seite wurden erstellt mit:

People illustrations by Storyset

Nun weißt du, warum es sich lohnt, Kryptospenden zu sammeln.

In den nächsten Lektionen lernst du die Wallet-Formen kennen. Und erhältst Einblick in die Wallet-Form “Kryptobörse”, die von Sea-Watch sehr erfolgreich genutzt wird.